Orientierungslos zum Studienabbruch

4. Juli 2005, 11:26
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Maturantenhilfe für den Uni-Einstieg gibt es zuhauf - Frühzeitige Eigeninitiative ist ein Muss, wenn man sich für das richtige Studium entscheiden will

Wien - "Es gibt immer wieder zahlreiche Erstsemestrige, die sich das Studium ganz anders vorgestellt haben", beurteilt die zweite ÖH-Vorsitzende, Patrice Fuchs, die Situation der Uni-Neuankömmlinge auch im Sommersemester.

Eine Studie des Österreichischen Instituts für Bildungsforschung (ÖIBF) aus dem Schuljahr 2003/04 deklariert ebenfalls, dass sich 43 Prozent der Studienanfänger schlecht informiert fühlen. Informationsmängel wurden vor allem bei der Studienplanung sowie der Schwerpunktsetzung gefunden, wobei sich allerdings 55 Prozent der Schüler spontan nach der Matura für das jeweilige Fach entscheiden.

"Schülerangelegenheit"

Sich eingehend und rechtzeitig auf die Uni vorzubereiten ist "Angelegenheit der Schüler", stellt Franz Tranninger, vom Stadtschulrat klar: "In jeder AHS gibt es speziell ausgebildete Bildungsberater, welche den Maturanten einen generellen Einblick ins Studium verschaffen sollen."

Einen solchen kennt Sophia Fröschl (18), aus Wien nicht: "Die Lehrer gehen davon aus, dass alle bestens informiert sind", kritisiert sie. "Kein Wunder, dass viele desorientiert und planlos ihrer Zukunft gegenüber stehen."

Positiv an die schulischen Beratungsambitionen erinnert sich Pädagogik-Studentin Margarita Schiemer (23): "Im Maturajahr wurden Infotage veranstaltet, wo Studierende von ihren Erfahrungen berichteten." Selbstständiges Arbeiten im Unterricht habe ihr den Studienbeginn erleichtert.

Interessentests und Studienmessen haben Sümeyye Yigit (17) "nicht weitergeholfen, obwohl ich Initiative ergriffen habe".

Dass es oftmals an der Motivation mangelt, sich nicht nur oberflächlich studienkundig zu machen, bemängelt BFI-Bildungsberater Wolfgang Wallner. In Beratungsgesprächen hinsichtlich Interesse und Fähigkeit der Schüler und Studenten, habe er festgestellt, dass Studienabbrüchen weniger die falsche Studienwahl sondern vielmehr planlose Organisation zugrunde lägen: "Jeder angehende Student muss sich gezielt vorbereiten", so Wallner.

Unterstützung beim Studieneinstieg bieten unter anderem der Student Point der Uni Wien und die ÖH. Letztere konzentriert sich vor allem auf die so genannte "Peer Beratung" - erfahrene Studierende betreuen Uni-Neuankömmlinge. Die angebotene Hilfestellung, welche für Erstsemestrige intensiver ausfällt, "bleibt aber während des ganzen Studiums aufrecht", sagt die Vize-ÖH-Chefin.

(Julia Reiner/DER STANDARD-Printausgabe, 8.3.05)

  • Beratung der Erstsemestrigen an der Uni Wien, in der Garderobe vor dem Auditorium Maximum
    foto: standard/cremer

    Beratung der Erstsemestrigen an der Uni Wien, in der Garderobe vor dem Auditorium Maximum

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