Krankenhaus Vöcklabruck: "Wir operieren am absoluten Limit"

10. März 2005, 11:04
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Mitarbeiter bestätigen Missstände - Kritik an Gespag wächst

Vöcklabruck - "Oft muss bis 2 Uhr operiert werden, um überhaupt den normalen Tagesplan ohne Akutfälle zu bewerkstelligen. Ab 15.30 Uhr können wir überhaupt nur einen OP besetzen, wir operieren am absoluten Limit" - so drastisch schildert ein Mitarbeiter am Montag im Gespräch mit dem STANDARD die derzeitige Arbeitssituation im Krankenhaus Vöcklabruck.

Der Insider, der anonym bleiben möchte, stellt sich damit im Namen zahlreicher Kollegen hinter den Chirurgie-Primar Wolfgang Simma. Dessen schriftliche Vorwürfe über drei Fälle von verpfuschten Patienten wurden noch am vergangenen Freitag nach einer Aufsichtsratssitzung des Spitalbetreibers Gespag als "Übertreibung" abgetan.

"Die Gespag will sich billig abputzen und Primar Simma den schwarzen Peter unterjubeln. Es gibt aber tatsächlich einen massiven Personalnotstand in unserem Haus", schildert der Krankenhaus-Mitarbeiter.

"Langes Warten auf OP" Man habe seit Monaten versucht in Gesprächen auf die "schwierige Situation" hinzuweisen, sei aber bei der Gespag "ständig abgeblitzt", erzählt der Mitarbeiter. Auf die Frage, ob es tatsächlich Fälle gegeben habe, bei denen es aufgrund einer Unterbesetzung zu Komplikationen bei Patienten gekommen wäre, hält sich der Mann bedeckt: "Die OP-Wartelisten sind lang, und es hat sicher Patienten gegeben, bei denen eine raschere Operation besser gewesen wäre."

Auch Oberösterreichs Gesundheitslandesrätin Silvia Stöger (SPÖ) bestätigt einen "Personalengpass" im Krankenhaus. Mit der Eröffnung des neuen und wesentlich größeren Spitals im September des Vorjahres sind die "Patientenzahlen rasch gestiegen". Die Gespag habe jedoch nicht entsprechend reagiert, und mehr Personal eingestellt, kritisiert Stöger. "Die aktuelle Planung sieht aber eine weitere Ausweitung der Personalkapazitäten vor, und es wird sofort ein weiteres OP-Team ausgeschrieben", beteuerte die Landesrätin.

Zentraler OP

Auch die Umstellung auf den Zentral-OP und die damit verbundene EDV funktioniere laut Stöger noch nicht wie gewünscht. Im Gegensatz zum alten Haus besitzen jetzt nicht mehr die Abteilungen ihre eigenen Operationssäle, sondern alle müssen sich beim einem zentralen OP anmelden.

"Die Anfangsschwierigkeiten dürfen aber nicht zulasten eines Patienten gehen." Deshalb werde ein Gutachter die Krankenakten jener drei Patienten durchleuchten, die laut Simma zu spät unter das Messer kamen, so Stöger. Es gelte auch zu klären, ob der Primar Akutfälle aufgeschoben habe, weil er auf der OP-Liste die Termine nicht umreihte. (DER STANDARD – Printausgabe, 08.03.2005)

Von Markus Rohrhofer und Kerstin Scheller
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    foto: standard/hendrich
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