Porr baut EM-Stadion in Klagenfurt

21. März 2005, 13:45
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Einstimmige Entscheidung der elfköpfigen Vergabejury - Vorsitzender Gattermann: "Das absolut beste Projekt"

Die elfköpfige Vergabejury hat Montagnacht die Porr einstimmig zum Bestbieter beim Bau des Klagenfurter EM-Stadions erklärt. Die Vergabe drohte mehrmals zu platzen, weil Kärnten die Strabag favorisierte.

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Klagenfurt – Um 21.30 Uhr war es soweit: Nach zweitägigen Verhandlungen hat die Vergabekommission den bisherigen Best- und Billigstbieter, die Bietergemeinschaft Porr/Alpine zum Best- und Billigstbieter beim Bau des Klagenfurter EM-Stadions erkoren. Kommissions-Vorsitzender Peter Gattermann sagte zum STANDARD: "Die Porr hat das absolut beste Projekt, sie hat als einzige die Gesamtfläche, nämlich das Stadion und den Sportpark optimal bearbeitet. Das Projekt ist in seiner Gesamtkonzeption einzigartig und bahnbrechend im europäischen Stadionbau". Zu möglichen Nebenabsprachen (die Stabag mit einem Teil am Auftrag zu beteiligen) meinte Gattermann, "das entscheidet der Bauherr (Klagenfurts Bürgermeister Harald Scheucher, Anm.,) in Abstimmung mit dem Bestbieter".

59 Millionen Euro Gesamtkosten

Gattermann bezifferte die Gesamtkosten für das Projekt nun mit 59 Mio. Euro. Der Abstand zum Zweitplazierten sei "eindeutig" gewesen. Heute, Dienstag, wird das Projekt im Klagenfurter Stadtsenat abgesegnet. Dann besteht eine 14-tägige Einspruchsfrist der unterlegenen Anbieter. Anschließend erfolgt die Umweltverträglichkeitsprüfung. Bis Frühling 2007 muss das Stadion fertig sein, damit die Fußball-EM 2008 über die Bühne gehen kann.

Der Schlussakt des Klagenfurter Stadion-Krimis ließ wie die vorangegangenen an Dramatik nichts zu wünschen übrig. Hermetisch abgeriegelt von jeder Öffentlichkeit – in einem zum Hochsicherheitstrakt umfunktionierten Magistratsgebäude – musste die elfköpfige Jury unter dem Vorsitz von Peter Gattermann die Vergabeentscheidung letztlich zwischen den beiden heimischen Baugiganten Porr und Strabag treffen, wobei letztere mit ihrem Angebot bisher nur an dritter Stelle gereiht war. Strabag-Chef Hans Peter Haselsteiner drohte zuletzt sogar mit einer Anfechtung der Vergabe sollte er nicht zum Zug kommen.

Ausgeschrieben war in Klagenfurt ein Generalverfahren. Das heißt, es mussten Architektur und Bauausführung gemeinsam angeboten werden. Bewertet wurde nach den Kriterien Architektur, Wirtschaftlichkeit, Technik, Funktionalität und Städtebaulichkeit. Insgesamt sechs Bieter hatten sich für den Auftrag beworben, der die Errichtung eines neuen Stadions mit 30.000 Sitzplätzen auf dem alten Standort im Klagenfurter Stadtteil Waidmannsdorf vorsieht. Die Kosten werden von Bund, Land Kärnten und der Stadt Klagenfurt gedrittelt.

Das Vergabeverfahren wurde von Anfang an heftig torpediert. Mehrmals stand es daher vor dem definitiven Aus und ebenso oft wurde versucht, es doch noch zu retten. Denn wäre der Klagenfurter Stadion-Bau geplatzt, hätte das die EM-Teilnahme erheblich gefährdet und Österreich wäre zum Gespött der internationalen Fußballwelt geworden.

Als sich bereits kurze Zeit nach dem Beginn des Vergabeverfahrens die Porr als Best- und Billigstbieter herausstellte, begannen sofort Störmanöver seitens des Landes Kärnten. Landeshauptmann Jörg Haider favorisierte ein Konsortium um die Strabag. Ziemlich bald stand der Vorwurf der Schiebung wegen Haselsteiners Nähe zu Haider und dessen Kärntner FPÖ im Raum. Dabei soll es zu verbotenen Weitergabe von Bieterunterlagen bis hin zur illegalen Finanzierung der FPÖ gekommen sein. Was von Haider und Haselsteiner strikte zurückgewiesen wird.

Das Kommissionsmitglied Hermann Eisenköck, der das sogar schriftlich deponierte, musste seine Wahrnehmungen unter Androhung einer 20-Mio.-Euro-Klage von Haselsteiner zurücknehmen.

Als letzter Sprengversuch wurden sämtliche Bieterdetails in einer Kärntner Wochenzeitung veröffentlicht. Als Sprengmeister, der die Unterlagen weitergegeben haben soll, wurde der Klagenfurter Konzerthaus-Direktor und Intimus des Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider, Franz Widrich, vermutet, der das jedoch stets vehement bestritt. Er saß auch als einer von drei Landesvertretern in der Vergabekommission. Als Telefonprotokolle über Widrichs angeblichen Geheimnisverrat auftauchten, trat Haider die so genannte Abhöraffäre los. (Elisabeth Steiner/DER STANDARD, Printausgabe, 8.3.2005)

Von Elisabeth Steiner
  • Bis zum Frühling 2007 muss das EM-Fußballstadion in Klagenfurt fertig gestellt sein, dessen Kosten zu je einem Drittel Bund. Land und Stadt Klagenfurt zahlen.
    foto: der standard

    Bis zum Frühling 2007 muss das EM-Fußballstadion in Klagenfurt fertig gestellt sein, dessen Kosten zu je einem Drittel Bund. Land und Stadt Klagenfurt zahlen.

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