FPÖ will sich neu erfinden

8. März 2005, 06:11
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Jörg Haider will die "destruktiven Kräfte" hinter sich lassen - Ginge es nach ihm, würde er die FPÖ neu gründen - Mit Grafik

Jörg Haider will die "destruktiven Kräfte" hinter sich lassen. Ginge es nach ihm, würde er die FPÖ neu gründen. Das vertrat Haider auch bei der Strategiesitzung, zu der er die Parteispitze nach Kärnten vorlud.

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Wien/Klagenfurt – "Wäre ich entscheidungsbefugt, ich tät die FPÖ neu gründen", erklärte Kärntens Landeshauptmann (und Ex-FPÖ-Chef) Jörg Haider am Montag. "Ich würde mir aussuchen, mit wem ich weiter zusammenarbeite, die anderen würde ich draußen lassen." Dies müsse aber nicht zwangsläufig eine "Liste Haider" sein, es gebe viele Varianten. Ihm schwebt eine "lässige, flotte und junge Partei" vor.

Parteiintern führt Haider seit Wochen Gespräche über eine Neugründung der FPÖ. Das Problem seiner Schwester, Parteiobfrau Ursula Haubner: Sie weiß nicht genau, was Haider damit meint, wie eine solche Neugründung vor sich gehen könnte und was ihr Bruder tatsächlich plant.

Die FPÖ solle "die destruktiven Kräfte hinter sich lassen" erklärte Haider am Montag vor der "Strategiesitzung", zu der er den Parteivorstand nach Kärnten geladen hatte. Intern hat er bereits kommuniziert, wen er damit meint: etwa den Wiener FP-Chef Heinz-Christian Strache oder Volksanwalt Ewald Stadler, der auch im Parteivorstand vertreten ist.

"Fahnenflucht"

Strache schlug am Montag gleich zurück, er kritisierte die Tendenzen zur "Fahnenflucht". "Wir müssen uns verabschieden vom Irrglauben, dass es mehrere FPÖs gibt."

Von einem Umbau in der FPÖ könnte aber auch Vizekanzler Hubert Gorbach betroffen sein, gegen den bei vielen Funktionären der Missmut wächst. Gorbach, so heißt es, lasse sich von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel an der Leine herumführen. Gorbach könnte relativ rasch oder spätestens beim Parteitag im Juni seinen Job als Vizekanzler an Haubner abgeben müssen.

Gorbach selbst schließt für sich Konsequenzen aus. Den Einfluss der Bundespolitik auf das niederösterreichische Wahlergebnis hält er für "wirklich marginal".

Parteichefin Haubner versucht, ihrem Regierungskollegen den Rücken zu stärken: Gorbach werde Vizekanzler bleiben, "weil er ein sehr guter Vizekanzler ist", erklärte sie. "Es wird kein Köpferollen geben." Zum katastrophalen Ergebnis in Niederösterreich merkte sie lediglich an: "Gemeinderatswahlen sind Gemeinderatswahlen", da seien andere Kriterien anzulegen. Die Stimmung der Wähler gegenüber der FPÖ könnte allerdings besser sein.

Haider ist für klare Konsequenzen: "Die FPÖ muss sich völlig neu aufstellen. So wie 1989." Das Wählerpotenzial schätzt Haider, ohnedies bereits bescheiden geworden, auf zehn bis 15 Prozent.

Der niederösterreichische FP-Landtagsabgeordnete Gottfried Waldhäusl sieht die Schuld für das schlechte Ergebnis in Niederösterreich "zu 100 Prozent in der Bundespolitik". "Wenn die im Bund so weitertun", könnte es passieren, dass die FPÖ 2006 gar nicht mehr in den Nationalrat komme. Waldhäusl kündigte ein Treffen von FP-Funktionären an, möglicherweise will man "mit dieser Bundes-FPÖ und dieser arroganten Haltung" nichts zu tun haben. (mue, stein, völ/DER STANDARD, Printausgabe, 8.3.2005)

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    "Wäre ich entscheidungsbefugt, ich tät die FPÖ neu gründen", erklärte Kärntens Landeshauptmann Haider.

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