Nachlese: Kuwaits Machos in Bedrängnis

17. Mai 2005, 15:24
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Seit Jahren versucht der Emir von Kuwait, seinen Untertanen das Frauenwahlrecht zu verordnen, bisher scheiterte er an den Islamisten im Parlament

Kuwait-Stadt/Wien – Bisher konnten sich die kuwaitischen Machos darauf verlassen, dass ihnen das Parlament zu Hilfe eilen würde, wenn es darum ging, zu verhindern, dass den kuwaitischen Frauen das Wahlrecht zugestanden wird. Nun versucht der Emir von Kuwait, Sheikh Jabir al-Ahmad Al Sabah, wieder einmal, eine Wahlgesetzänderung zugunsten der Frauen durchzudrücken; 1999 und 2000 war er damit an der islamistischen Mehrheit im Abgeordnetenhaus gescheitert. Am Montag berieten die teilweise bekehrten – oder wie andere meinen: abgefallenen – Parlamentarier über den Termin einer Sondersitzung zum bereits vom Kabinett abgesegneten Gesetzesvorschlag.

Vor dem Parlament marschierten an die 500 Pro-Wahlrecht-Demonstranten auf, die diesmal jedoch zuversichtlicher sind – haben doch islamische Parteien wie die Islamische Verfassungsbewegung und die Umma-Partei zumindest teilweise Positionsänderungen vollzogen. Der Druck von oben ist groß, und den Refusniks droht neues Ungemach: Energieminister Sheikh Ahmed Al Sabah sagte, dass es nur eine Frage der

Zeit sei, bis die Frauen auch auf Ministerposten sitzen werden. Kuwaitische Frauen sind längst in allen Bereichen außer dem politischen aktiv, sie sind Botschafterinnen und Universitätsprofessorinnen.

Allerdings haben die Islamisten im Parlament vergangene Woche ihre Lautstärke erhöht, mit der sie verkünden, dass die Frauen unter der Scharia keine politischen Rechte haben. Die Einführung des Frauenwahlrechts sei eine Agenda von "Agenten ausländischer Botschaften". Tatsächlich hatte die kuwaitische Führung 1991, nach der Befreiung Kuwaits von den Irakern, den USA Reformen versprochen, unter anderem das Frauenwahlrecht.

Nur 15 Prozent der 950.000 Einwohner Kuwaits sind wahlberechtigt. Ebenfalls im Parlament anhängig ist auch ein Gesetzesvorschlag, der Kuwaits derzeitige 25 Wahldistrikte auf zehn reduzieren soll. Beobachter meinen, dass die Regierung auch deswegen so viel Wert darauf legt, dass bei den nächsten Wahlen Frauen teilnehmen werden: Das alte System hat eher regierungsfreundliche Politiker begünstigt, und von den wählenden Frauen erwartet man, dass sie moderat und pro Regierung wählen werden.

Nicht in Saudi-Arabien

Während die sunnitischen Islamisten erst davon überzeugt werden mussten, dass wählende und sich wählen lassende Frauen keine Sünde wider den Islam sind, haben die kuwaitischen Schiiten die Liberalen bei ihrem Vorhaben stets unterstützt. Mit Interesse schauen auch die Frauen aus dem stockkonservativen wahhabitischen Saudi-Arabien nach Kuwait, sie bleiben ja bei der derzeit in drei Teilen laufenden, ersten Teilkommunalwahl (nur die Hälfte der Sitze ist wählbar) ausgeschlossen.

In Statements im Ausland deuten saudi-arabische Politiker an, dass diese Situation auch im Königreich nicht haltbar sein wird, eine echte Debatte hat jedoch nicht stattgefunden. Durch die Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage finden jedoch auch in Saudi-Arabien, wo strenges Einmummungsgebot für Frauen herrscht, immer mehr Frauen den Weg in die Arbeitswelt und damit in die Öffentlichkeit. (DER STANDARD, Gudrun Harrer, Printausgabe, 8.3.2005)

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    Diesmal sind die Chancen besser, dass die Frauen politische Rechte bekommen.

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