Deutschland: Geläuterte "Rocker" treten gegen Hochschwangere an

13. März 2005, 16:01
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"Germany 12 Points!": Pop-Duo Orange-Blue, Rockröhre Ellen ten Damme, Soul-Sänger Stefan Gwildis und Mia Aegerter beim Vorentscheid am kommenden Samstag

Berlin - Die Jakob Sisters, die mit einer großen Moshammer-Puppe auftreten wollten, sind nicht dabei. Überhaupt gibt es dieses Jahr beim deutschen Vorentscheid zum 50. Eurovision Song Contest am kommenden Samstag (12. März) wenig prominente Kandidaten, Grand-Prix-Altmeister Ralph Siegel ("Ein bisschen Frieden") hielt sich zurück und trat unter einem Pseudonym an. Gracia, Stefan Gwildis, Ellen ten Damme und Orange Blue gehören da noch zu den bekannteren Größen. Aber das macht nichts, findet NDR- Unterhaltungschef Jürgen Meier-Beer. Stefan Raabs Schützling Max Mutzke, den Überraschungssieger vom vergangenen Jahr, kannte ja schließlich auch niemand.

Gleich drei Casting-Show-Kandidaten

Zehn Interpreten konkurrieren bei der ARD-Live-Show "Germany 12 Points!" in der Arena in Berlin-Treptow um das Ticket für das Finale am 21. Mai in Kiew, wo der Eurovision Song Contest sein Jubiläum feiert. Ins Rennen gehen laut NDR, der traditionell die Show ausrichtet, Anwärter mit internationalem Potenzial. Meier-Beer spricht von einer "respektablen Mischung", die die Plattenfirmen ausgewählt haben. Die Palette reicht von Casting-Show-Kandidaten - Gracia, das Duett Nicole Süßmilch und Marco Matias - bis hin zum Soulsänger Gwildis. Letzterer wird bei seinen Fans als deutscher George Clooney verehrt und macht aus Hits wie "Just the Two Of Us" die deutsche Variante "Tu doch was".

Allee der Kosmonauten und ein bisschen Punk

Stoff für Schlagzeilen bieten viele Kandidaten: Die Allee der Kosmonauten zeigt sich als geläuterte Rockband, die sich früher "Sex, Drugs and Rock 'n' Roll" auf die Fahnen geschrieben hat. "Dann hat sich Gott uns gezeigt, und wir sind Christen geworden", sagt Bandmitglied Mischa Marin nun. Die Sängerin Villaine liebt eine Frau und könnte damit bei der schwul-lesbischen Gemeinde punkten, die den Musikwettbewerb besonders zelebriert.

Internationale Kandidaten

Mit Mia Aegerter aus der Schweiz und den irisch-amerikanischen Murphy Brothers - die früher übrigens in einer Sekte waren - sind auch internationale Kandidaten dabei. Musikalisch reicht die Breite von Pop, handgemachtem Rock, streicheruntermalten Balladentönen bis hin zum Antikriegslied; deutsche und englische Texte halten sich die Waage.

Auftritt im neunten Monat

Den ersten größeren Aufreger hat die "Bild"-Zeitung bereits ausgemacht: Königwerq-Sängerin Dania König ist bei ihrem Auftritt im neunten Monat schwanger. "Ich sage ihm (dem Kind) auch jeden Tag, dass es brav drinbleiben soll", erzählt sie auf der NDR-Homepage. Der Rummel um die Show scheint sich aber sieben Jahre nach Guildo Horns spektakulärem Auftritt in Birmingham etwas gelegt zu haben. ProSieben-Moderator Stefan Raab, der beim Grand Prix mehrfach erfolgreich war, ist diesmal mit seinem "Bundesvision Song Contest" eigene Wege gegangen.

Prominente Paten wie Lindenberg oder Kunze

Neu sind diesmal prominente Paten wie Udo Lindenberg und Heinz- Rudolf Kunze. Abgestimmt wird per SMS und Telefon. Die Moderation hat ARD-Talker Reinhold Beckmann übernommen, den NDR-Unterhaltungschef Meier-Beer als "fanatischen Musikliebhaber" anpreist. Schlecht hat Deutschland seiner Meinung nach in den vergangenen Jahren nicht abgeschnitten, 2004 landete Max Mutzke auf Platz acht. "Seit 1998 gehört Deutschland im Schnitt zu den erfolgreichsten Ländern", so Meier-Beer. "Die große Popnation Großbritannien lassen wir seit Jahren hinter uns." (APA/dpa)

  • Die irisch-amerikanischen Murphy Brothers gehören zu den internationalen Kandidaten der Vorentscheidung
    foto: ndr

    Die irisch-amerikanischen Murphy Brothers gehören zu den internationalen Kandidaten der Vorentscheidung

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