Über die Kritik am Projekt "25 Peaces": "Konstruktionsfehler des Gedankenjahres"

11. März 2005, 20:33
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Wolfgang Lorenz über die Kritik am Projekt "25 Peaces": "Man hat uns gehaut, aber andere gemeint"

Wien - Mit der Einrüstung der beiden Reiterdenkmäler am Wiener Heldenplatz machen derzeit die "25 Peaces" genannten Projekte im öffentlichen Raum zum Jubiläumsjahr 2005 erstmals auch optisch auf sich aufmerksam. Am Samstag (12. März) startet die von "Graz 2003"-Gestalter Wolfgang Lorenz und Bundestheater-Holdingchef Georg Springer konzipierte Reihe mit einer Licht- und Toninstallation an vier Wiener Plätzen, mit der des verheerendsten Bombenangriffes im Jahr 1945 auf Wien gedacht werden soll. "Der 12. März ist ein wichtiger Abend, ein erster Test für das, was wir tun", meint Lorenz.

Schelte für einzelne Projekte

Und was die beiden tun, sorgte im Vornherein für starkes Interesse - und Medienschelte: Es sollten u.a. Kühe vorm Belvedere grasen und am Heldenplatz Gemüse sprießen. Man wollte neun nachgebaute Belvedere-Balkone auf Reisen schicken, von denen die Österreicher "Österreich ist frei!" rufen können ("dass Figl die Worte im Marmorsaal gesagt hat, haben wir gewusst"). Bereits Monate vor Start der Projektreihe hatte es in mehreren Medien scharfe Kritik an den Vorhaben gegeben. Auch während der Präsentation vor der Presse wurde Lorenz und Springer u. a. vorgehalten, am 13. März am Heldenplatz mit weißen Kreuzen der NS-Opfer gedenken zu wollen, was jüdische Opfer nicht adäquat repräsentiere.

"Sehr kommerzielle Wünsche und Begehrlichkeiten" von Fast-Food-Projektpartner

Dieses Projekt wurde geändert und wird nun eine neue Symbolik verwenden, - welche wird man "am 13. März sehen". Ein weiteres umstrittenes "Peace" hat sich inzwischen wegen Differenzen mit dem Sponsor zerschlagen: Ursprünglich hätte es von McDonald's vertriebene "McCare"-Pakte geben sollen, mit Burger und "25 Peaces"-Programm. der Fast-Food-Konzern habe jedoch "Wünsche und Begehrlichkeiten" entwickelt, die "sehr kommerziell waren" und sich "mit unserer Fassung nicht mehr vereinbaren ließen", so Lorenz zur Absage. "Das hat uns getroffen."

"Man hat uns gehaut, aber andere gemeint"

Warum aber jetzt die viele Vorschuss-Aufregung über die Projekte, denen von "Verhöhnung" ("Presse") über "Unsinn" und "Gedenken im Geist der Opfertheorie" ("Standard") bis zu "originalitätsfokussierter Oberflächlichkeit" ("profil") alles Mögliche vorgeworfen wurde und denen auch Wiens Bürgermeister Michael Häupl (S) erst nach einem klärenden Gespräch seinen Sanktus (wenn auch kein Geld) gab? "Wir sind mit unseren Projekten auf politische Minenfelder geraten, wo Konflikte zwischen Regierung, Opposition und verschiedensten Gruppierungen ausgetragen werden", so Lorenz. "Der Konsens zwischen den Beteiligten über die heurigen Aktivitäten ist im Vorfeld nicht erzielt worden. Das ist in der Tat ein möglicher Konstruktionsfehler des Gedankenjahres, mit dem wir aber definitiv nichts zu tun haben. Man hat uns gehaut, aber andere gemeint".

"Wir können nicht den Nachzipf der Nation machen"

Auch sei von den "25 Peaces" zuviel verlangt worden, etwa in der Klärung der Täter/Opferrolle Österreichs: "Wir können nicht den Nachzipf der Nation machen", so Lorenz. Vor allem in den Vorwürfen betreffend die Täter/Opferrolle - in den "25 Peaces" würden die Bombenangriffe auf Wien, aber nicht die Schuld der Wiener thematisiert - sei "offensichtlich geworden, dass in den letzten Jahrzehnten in Österreich ein Fach geschwänzt, ein Angstparavent aufgebaut worden ist. Dass man da heute quasi ab ovo diskutieren muss, zeigt zweifellos Versäumnisse auf".

Diskussion zeigt, Projekt funktioniert

Die Idee der "25 Peaces" habe gerade angesichts der entstandenen Diskussion "schon jetzt sehr gut funktioniert. Es ist das passiert, was unser Hauptziel war: Dass zwischen Pro und Contra ein Diskurs angefangen hat", so Wolfgang Lorenz. Bei den "25 Peaces" gehe es "nicht um Kunst und auch nicht so sehr um die Projekte selbst, sondern um Kommunikation. Wir suchen die Unterhaltung - mit den Menschen". Und diesen Diskurs soll man "spüren können".

"Abgerechnet wird zum Schluss" "Das, was wir machen, sind Gedankenanreger und soll auch der Polarisierung dienen. Polarisierung ist aber keine Zündelei, sondern die einzige Möglichkeit, dass sich die Bürger selbst mit dem Thema beschäftigen". Und "abgerechnet wird zum Schluss. Ich halte es für rasend unfair, unsere Projekte im Vorfeld nur madig zu machen".(APA)

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