Björndalen erster Weltmeister

25. März 2005, 13:49
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Gold im Sprint-Bewerb für Favoriten - Silber für Sven Fischer, Bronze für Ilmasrs - Österreicher enttäuschten in Hochfilzen

Hochfilzen/Tirol - Rund 9.000 Zuschauer sorgten für tolle Atmosphäre, doch für die ÖSV-Biathleten war die Stimmung nach dem WM-Auftakt an einem strahlenden Wintertag in Hochfilzen völlig getrübt. Ersatzmann Fritz Pinter, der kurzfristig für den erkrankten Ludwig Gredler eingesprungen war, erreichte im 10-km-Sprint am Samstag als 32. die beste Platzierung des enttäuschenden Österreicher-Quartetts.

Rottmann vergab Medaillenchance im Stehen

Wolfgang Rottmann, nach dem Liegend-Schießen noch an der Spitze, vergab mit fünf Fehlschüssen im stehenden Anschlag alle Chancen. Den ersten Titel sicherte sich Olympiasieger Ole Einar Björndalen (NOR/1 Fehlschuss) vor dem Deutschen Sven Fischer (1/+10,5 Sekunden) und dem Letten Ilmars Bricis (0/+ 24,0).

In den bisherigen 20 Weltcup-Saisonrennen hatte immer zumindest ein Österreicher gepunktet, doch ausgerechnet im ersten Bewerb der Heim-WM ging alles schief. Gredler, am Vortag Fahnenträger bei der Eröffnungsfeier, fiel wegen eines beginnenden grippalen Infekts aus, Daniel Mesotitsch (40.) klagte über unerklärliche körperliche Schwäche beim Laufen, der Olympia-Dritte Wolfgang Perner (42.) war mit seinem Skimaterial nicht zufrieden und Wolfgang Rottmann (55.) vollendete nach insgesamt sechstbester Laufzeit mit fünf Stehend-Fehlschüssen das Debakel der heimischen Athleten.

Nur Pinter zufrieden

Zufrieden war nur Pinter, der erst zweieinhalb Stunden vor dem Start von seiner Nominierung erfahren hatte. "Für mich war es der zweite Wettkampf innerhalb von 24 Stunden, das habe ich am Schluss doch gespürt", sagte der WM-Debütant. Er könnte sich mit einer starken Leistung in der Verfolgung verbessern. "Mit einem Nuller ist noch Einiges möglich", meinte der Kärntner. Pinter hatte am Freitag das als TV-Test angesetzte Rennen bestritten, das ihm eigentlich als Aufgalopp für den ersten WM-Einsatz am Mittwoch dienen sollte.

Mesotitsch fühlte sich schon nach kurzer Renndauer total müde. "Ich hatte in den letzten zwei Tagen etwas Probleme mit den Mandeln. Es ärgert mich voll, so ein schlechtes Rennen zu laufen", erklärte der Kärntner mit Wohnsitz Hochfilzen. "Wenn man nicht gut drauf ist, verliert man auf dieser schwierigen Runde auf jedem Meter Zeit", meinte der 28-Jährige und hoffte auf bessere Tage. "Wir geben noch lange nicht auf, die WM ist noch nicht vorbei."

Perner mit unglücklicher Skiwahl

Perner hatte selbst den Erfolgs-Ski von Salt Lake City ausgesucht, doch das erwies sich offenbar nicht als beste Wahl. "Wahrscheinlich ist es zu warm geworden für diesen Ski, läuferisch habe ich mich sehr gut gefühlt", erklärte der 37-jährige Steirer. "Pro Kilometer habe ich zehn Sekunden verloren, das ist eine Welt."

Rottmann war ein Kapitel für sich. So wie bei der Vor-WM im Dezember 2004 traf er stehend keine der 11,5 cm kleinen Scheiben, diesmal blieb er auch nach neuem Aufbau der Position nach dem zweiten Fehlschuss glücklos. "Bei einer WM zählt nur eine Medaille, ich habe alles riskiert und das Loch zu Raphael Poiree zugemacht. Da habe ich mich wohl übernommen, alles ist von den Beinen her unruhig geworden", sagt der enttäuschte Ex-20-km-Weltmeister aus Altenmarkt.

Coach Alfred Eder verstand die Welt nicht mehr. "Er ist läuferisch in Topform, aber bei der Heim-WM übermotiviert. Das hat er sich nicht verdient", betonte der zweifache WM-Medaillengewinner.

Dritter Einzeltitel für Björndahlen

Ole Einar Björndalen eroberte als Nachfolger des Franzosen Raphael Poiree (13./+1:01,1/2) seinen dritten Einzel-Titel nach dem Double 2003 und seinen zweiten in Hochfilzen nach Team-Gold 1998. "Die Erwartungen vor dem Rennen waren sehr hoch. Ich war etwas nervös, aber nun bin ich sehr zufrieden. Dieser Sieg hat viel Druck von mir genommen", erklärte der Superstar nach seinem siebenten Sieg in einem Weltcup-Rennen in Serie. Er ist nun auch Favorit für die Verfolgung am Sonntag (10:00). "Aber da sind zehn Sekunden Vorsprung gar nichts, bei 20 Schüssen muss man erneut hart kämpfen."

Der 33-jährige Sven Fischer eroberte schon seine 20. Medaille bei Großereignissen seit der WM-Premiere 1993 und übernahm mit einem Punkt Vorsprung die Weltcup-Führung von Poiree. Björndalen blieb Gesamt-Dritter. (APA)

Ergebnisse des Herren-Sprint 10 km:

1. Ole Einar Björndalen (NOR) 24:37,5 Min./1 Strafrd. - 2. Sven Fischer (GER) +10,5 Sek./1 - 3. Ilmars Bricis (LAT) 24,0/0 - 4. Sergej Tschepikow (RUS) 26,3/1 - 5. Nicolaj Kruglow (RUS) 34,1/0 - 6. Michael Greis (GER) 41,9/1 - 7. Ricco Groß (GER) 49,4/1 - 8. Carl-Johan Bergman (SWE) 51,2/1 - 9. Tomasz Sikora (POL) 51,5/1 - 10. Vincent Defrasne (FRA) 53,5/1 - weiter: 32. Friedrich Pinter (AUT) 1:41,1/1 - 40. Daniel Mesotitsch (AUT) 1:53,6 /1 - 42. Wolfgang Perner (AUT) 1:54,2/2 - 55. Wolfgang Rottmann (AUT) 2:19,9/5

Weltcup-Gesamtwertung (nach 21 von 27 Rennen): 1. Fischer 709 Pkt. - 2. Raphael Poiree (FRA) 708 - 3. Björndalen 653 - 4. Sergej Roschkow (RUS) 544 - 5. Tschepikow 528 - 6. Groß 525 - weiter: 19. Rottmann 207 - 26. Mesotitsch 154 - 34. Perner 108 - 46. Christoph Sumann (AUT) 51 - 51. Pinter 40

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    Die Goldene für den Superstar der Biathleten: Ole Einar Björndalen.

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