Wien-Mitte: Einigung bis April

8. März 2005, 22:31
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Mögliches Ende der Querelen: Ein konkretes Bauprojekt für Wien-Mitte steht unmittelbar bevor

Wien - Das Schicksal des Projektes Wien-Mitte entscheidet sich schon in den nächsten Wochen: "Noch diesen Monat, spätestens Mitte April, soll das Preisthema abgeschlossen sein", stellt Thomas Jakoubek, Geschäftsführer der Bauträger Austria Immobilien (B.A.I.), im STANDARD-Gespräch in Aussicht. "Wir waren noch nie so weit wie heute." Und eine derart optimistische Einschätzung gab es zu diesem Projekt seit dem Fall der geplanten Hochhäuser nicht mehr.

Kompromiss

Der entscheidende Schritt für diese hoffnungsvollen Signale: Auf beiden Seiten wird bei den ursprünglichen Forderungen nachgegeben. Einerseits bestätigt ÖBB-Vorstandsdirektor Martin Huber auf Anfrage des STANDARD: "Natürlich wird sich etwas im Preis bewegen. Unser Beitrag wird ein namhafter sein."

Keine Vorkosten

Bisher war eine Einigung - unter Hubers Vorgänger - vor allem daran gescheitert, dass die ÖBB auf die alten Grunderlöse beharrt hatten, die sich an der Verwertung mit Hochhäusern orientierte. Huber warnt aber: "Wir werden sicher nicht die Vorkosten anderer über einen Abschlag bei den Grundkosten finanzieren." Sprich: Die ÖBB werden nicht das ausgleichen, was seitens der B.A.I. in das alte, gescheiterte Hochhausprojekt investiert wurde.

Ökonomische Gratwanderung

Und das ist der nächste, sozusagen über den eigenen Schatten springende Punkt: BA-CA Vorstandsvorsitzender Erich Hampel forciert ebenfalls das neue Projekt und verzichtet auf diese bisherigen Bankforderungen. "Schließlich ist das ja kein Hochrenditeprojekt, sondern immer noch eine ökonomische Gratwanderung", betont Jakoubek. "Wir reden da bei weitem nicht von Gewinnen - sondern nur von Verlusten, die wir nicht einfahren wollen."

Stolperstein Ausmietungen

Daher gibt es auch nach einer möglichen Einigung zwischen BA-CA, B.A.I. und ÖBB immer noch "einen großen Stolperstein: die Ausmietungen. Diesen Kostenposten haben wir derzeit noch nicht im Griff." Aber auch in diesem Punkt ist Jakoubek derzeit hoffnungsvoller denn je. Den massivsten Widerstand von dieser Seite hatte es bisher vom eingemieteten Interspar gegeben. Nach monatelangen, fast täglichen Verhandlungen "könnte es aus heutiger Sicht zu einer Lösung kommen".

Kippe

Allerdings: "Wenn Mieter jetzt noch horrende Forderungen stellen, dann können wir das Projekt einfach nicht machen. Wenn da nur ein einziger Parameter kippt, kippt das ganze Vorhaben. Aber ich gehe davon aus, dass die Mieter vernünftig bleiben."

Wenn diese Hürden genommen sind, soll der Feinschliff am Entwurf des Architektenteams Henke und Schreieck beginnen. Vor allem im vorgesehenen Shoppingbereich soll es noch Adaptionen geben: "Wir brauchen eine bestimmte Quadratmeteranzahl an Shoppingflächen - die sind derzeit noch ein wenig spärlich bemessen."

Mit einer möglichen Umsetzung der neuen Wien-Mitte-Überbauung rechnet der B.A.I.-Chef dann mit "frühestens Mitte 2006". (DER STANDARD, Printausgabe, 05.03.2005)

Von
Roman David-Freihsl
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    Gewannen den Zuschlag für das Wien-Mitte-Projekt: Marta Schreieck und Dieter Henke

  • Nach jahrzehntelangem Hin und Her könnte der Entwurf der Architekten Henke und Schreieck für die neue Überbauung des Bahnhofes Wien-Mitte doch noch realisiert werden.
    foto: visualisierung henke und schreieck

    Nach jahrzehntelangem Hin und Her könnte der Entwurf der Architekten Henke und Schreieck für die neue Überbauung des Bahnhofes Wien-Mitte doch noch realisiert werden.

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