"Ein rein technisches Problem"

11. März 2005, 12:57
12 Postings

Prado und Albertina hoffen weiter auf volle "Feldhasen"-Laufzeit: Bei einer Pressekonferenz in Madrid gaben sich beide Direktoren entspannt

Wien/Madrid/Amsterdam - Am 25. März soll in Amsterdam die erste große Egon-Schiele-Retrospektive in den Niederlanden eröffnet werden: Das Van Gogh Museum will neben 20 Gemälden auch 91 Gouachen und Zeichnungen aus der Albertina zeigen. Anders als bei den Dürer-Blättern, die ab 8. März im Museo del Prado zu bestaunen sind, suchte Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder zeitgerecht beim Denkmalamt um eine Ausfuhrgenehmigung an.

Diese wurde allerdings bisher noch nicht erteilt. Im Van Gogh Museum wird man daher bereits nervös. Eine Entscheidung kündigte das Denkmalamt auf Anfrage des STANDARD für Anfang der Woche an.

Bisher nicht befasst wurde es mit einem weiteren Schiele-Transport: Ab 22. Oktober will Schröder, der in den Jahren 2003 und 2004 insgesamt 1770 Kunstwerke verlieh, in der Royal Academy von London "125 Hauptwerke Egon Schieles aus der Albertina-Sammlung", praktisch den Gesamtbestand, präsentieren.

Vier Wochen Zeit

Am Freitagvormittag fand im Prado eine Pressekonferenz anlässlich der Dürer-Schau statt. Als hätten sich in den letzten Tagen nicht Anwürfe und Gerüchte zwischen Madrid und Wien zu einer regelrechten Staatsaffäre hochgeschaukelt - eine diplomatische Verstimmung mit eingeschlossen - zeigten sich die beiden Direktoren ausgesprochen ruhig. Hinter den Kulissen werde angestrengt an einer Lösung der Affäre gearbeitet, versicherte man den gut 60 Berichterstattern, und man beteuerte erneut, es handle sich bloß um ein "rein technisches Problem". Um dieses zu lösen, habe man noch vier Wochen Zeit. (Laut Bescheid des Denkmalamts dürfen der Feldhase und vier weitere Blätter nur einen Monat gezeigt werden - und nicht deren drei.)

Die gute Zusammenarbeit zwischen den beiden Institutionen sei zu keinem Zeitpunkt gefährdet gewesen, erklärte Miguel Zugaza, der Direktor des Prado: "Wir haben die Lichttemperatur und -intensität gesenkt und sind jetzt am Minimum angelangt, was noch vertretbar ist. Das ist ungefähr 50 Prozent unter dem üblichen und im Vertrag mit der Albertina vereinbarten Ausmaß. Wir sprechen hier von zwei bedeutenden Institutionen, die imstande sein sollten, ein technisches Problem - und darum handelt es sich - einvernehmlich lösen zu können. Ich glaube, die Welt der Museen erwartet von uns, ein technisches Problem zu lösen. Niemand ist dazu besser in der Lage als die beiden Museen."

In den letzten Tagen waren Vorkehrungen getroffen worden, wie sie noch nie in einer Ausstellung im Prado notwendig waren. Das Raumklima in den fünf Sälen werde ständig überwacht, der Einfall schädlicher UVA- und UVB-Lichtstrahlen sei nochmals reduziert worden, versichert man vonseiten der Prado-Leitung.

In den nächsten vier Wochen - so die einstimmig formulierte Hoffnung - werde es möglich sein, das Denkmalamt von einer Verlängerung der Einmonatsfrist zu überzeugen. An eine andere als die einvernehmliche Lösung der Affäre will man nicht einmal denken. (DER STANDARD, Printausgabe, 05./06.03.2005)

Von Josef Manola und Thomas Trenkler
  • Artikelbild
    grafik: standard
Share if you care.