Soziale Freiwillige und zivile Diener

24. März 2005, 15:30
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SP-Frauen und Verein "Freiwilliges soziales Jahr" kritisieren Zivil­dienst für Frauen

Wien - Im äußeren Burgtor nicht, aber davor durfte SP-Bundesfrauengeschäftsführerin Bettina Stadlbauer mit ihrer Reservearmee am Freitag verweilen. "I hob nix gegen euch, oba des geht net. Da braucht's a Genehmigung vom Kommando Wien. Des wird hier olles auf Video aufgezeichnet", insistierte Herr Tod, der Aufseher der Tores.

Stadlbauer wollte mit der Aktion das Regierungsangebot an Österreichs Frauen, künftig freiwillig Zivildienst leisten zu können, kritisieren. In Wahrheit sei es eine Notlösung, um Lücken im Sozial-und Pflegesystem billig zu schließen. Sie erklärt den "Frauenzivildienst" so: "Die Attraktivität des Zivildienstes der Männer leidet durch die Verkürzung der Wehrpflicht. Zudem wäre es eine bequeme Lösung, die Arbeitslosenstatistik zu verschönern, und es könnte ein Schritt in Richtung verpflichtenden Wehrdienst für Frauen sein."

Eigentlich existiert der freiwillige Zivildienst für Frauen ja schon seit 1968 - das freiwillige soziale Jahr (FSJ). Katholische Jungschar und Jugend, Pfadfinder, Kolping und Jugendorganisation der Jesuiten sind die Trägervereine. Das Hauptmotiv der 152 Jugendlichen - 144 Frauen und acht Männer -, die derzeit ein FSJ absolvieren, sei Berufsvorbereitung und -orientierung, sagt FSJ-Geschäftsführerin Maria Fischerlehner im Gespräch mit dem STANDARD.

Die meisten Freiwilligen kommen von der Sozialakademie, um Praxis zu sammeln - etwa in Altersheimen oder Behinderteneinrichtungen.

Die Freiwilligen bekommen ein monatliches Taschengeld von 168 Euro sowie Kost und Quartier in der jeweiligen Einrichtung.

Im Vergleich dazu bekommen männliche Zivildiener derzeit eine Monatspauschale von 185,10 Euro und mindestens 5,71 Euro für Verpflegung pro Tag. Bildungsmaßnahmen oder Schulungen per se sind keine enthalten.

Das FSJ wird zu sieben Prozent aus Förderungen finanziert, den Rest bringen die Trägervereine auf. Am Beginn gibt es einen Vorbereitungskurs und drei begleitende Seminare, so Fischerlehner. Sie befürchtet, dass bei der Öffnung des Zivildienstes weder für Beratung noch für Bildung gesorgt wird. Dies würde die Qualität des freiwilligen Engagements deutlich senken. (Rosa Lyon/DER STANDARD, Printausgabe, 5./6.3.2005)

  • Pflegen, plagen und putzen für zwölf Euro pro Tag - freiwillig als Zivildienerinnen? Nein danke, meinen die SPÖ-Frauen und taten dies am Heldenplatz kund.
    foto: standard/regine hendrich

    Pflegen, plagen und putzen für zwölf Euro pro Tag - freiwillig als Zivildienerinnen? Nein danke, meinen die SPÖ-Frauen und taten dies am Heldenplatz kund.

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