Streit um Zukunft der Uni Wien

21. Dezember 2005, 12:42
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Protest gegen im "Managerjargon" verfassten Entwicklungs­plan - Kritik an fehlender Kosten­abschätzung des Rektorats

Wien – Unter den Professoren der Universität Wien regt sich Widerstand gegen den vom Rektorat Anfang Februar vorgelegten "Entwicklungsplan 2010". Bei einer von der "Plattform Universitäre Mitbestimmung" organisierten Krisensitzung wurde scharfe Kritik an dem Papier geübt. Der Vorwurf der Wissenschafter: Keinerlei Kostenabschätzung, keine näheren Angaben zur gewünschten Profilbildung, sowie die fehlende Einbindung der Universitätsmitarbeiter. Auch die im Entwicklungsplan häufig erwähnten "Forschungsschwerpunkte" bergen für Germanist Herbert Hrachovec Problempotenzial. "In dieser Konstruktion ist die Auflösung der innerdisziplinären und institutsmäßigen Matrix der Universität enthalten", warnt er, Grundlagenfächer würden damit "im luftleeren Raum schweben".

Ähnliches fürchtet man offenbar im Senat, der am Donnerstag ebenfalls zum Thema Entwicklungsplan getagt hat. "Man kann vielleicht in einigen Randbereichen Korrekturen vornehmen, aber einer der großen Vorzüge der Uni Wien ist ja die Breite, die sie hat", sagt ein Senatsmitglied im Gespräch mit dem Standard. Zusätzliches Ärgernis für das Gremium: Mit der im Entwicklungsplan enthaltenen Definition von Studieninhalten hat das Rektorat seine Kompetenzen überschritten. Die Entscheidung über Curricula ist eindeutig Senatskompetenz. In zwei Wochen soll daher die bisher versäumte Absprache nachgeholt werden

Ein vom Senat erarbeiteter Entwurf weist auch auf die im Zuge der Umstellung auf Bakkalaureats- und Masterstudiengänge entstehenden Kosten hin. Man werde daneben noch einige Zeit die "alten" Diplomstudien laufen lassen müssen. Da das Ministerium dafür kein Geld zur Verfügung stelle, drohe die Alternative "alles zurückfahren, wo nicht eine Mindestanzahl an Absolventen vorhanden ist". Generelle Kritik übt man an der fehlenden Kostenabschätzung des Rektorats: "Gerade von Rektor Georg Winckler, der ja ein Wirtschaftswissenschafter ist, sollte man sich das erwarten können", sagt ein Senatsmitglied zum Standard.

Eines zeichne sich bei der Umstellung auf die Bologna- Ziele jedenfalls ab, gab auch Uni-Betriebsrat Alfred Müller bei der PLUM-Veranstaltung zu bedenken: "Bildungspolitische Ziele" würden zunehmend durch "wirtschaftspolitische Ziele übersteuert" – was sich auch im Rektoratsentwurf widerspiegle. Samt Auswirkungen auf die Kommunikationsformen. Bestes Beispiel: Der im Managerjargon abgefasste Entwicklungsplan. Dort übernehme man auch "den letzten Schrei" aus Europa: Das so genannte "Diversity Management". (DER STANDARD, Printausgabe, 5./6.3.2005)

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    foto: derstandard.at
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