Mit Gongadses mysteriösen Verschwinden fing der Skandal an

3. Mai 2005, 16:42
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Die Affäre um den Mord an dem ukrainischen Journalisten - Eine Chronologie

Kiew - Der in der Affäre um einen Journalistenmord zum Verhör geladene frühere ukrainische Innenminister Juri Krawtschenko ist am Freitag tot aufgefunden worden. Er hätte am selben Tag zur Ermordung des regierungskritischen Journalisten Georgi Gongadse im Jahr 2000 aussagen sollen. Hier ein Überblick über die Entwicklungen in dem Fall.

2000

  • 16. September: Der 31-jährige Journalist Gongadse, der im Internet die regierungskritische Zeitung "Ukrainska Prawda" herausgab, wird vermisst.

  • Ende November: Eine enthauptete und verbrannte Leiche wird 150 Kilometer von Kiew entfernt entdeckt.

  • 18. Dezember: Eine Untersuchung der bei der Leiche gefundenen Gegenstände ergibt, dass sie Gongadse gehörten. Tags darauf sowie regelmäßig in den folgenden Wochen und Monaten fordern tausende Demonstranten in Kiew den Rücktritt von Präsident Leonid Kutschma wegen der Affäre.

    2001

  • 22. Jänner: Die ukrainische Regierung stimmt der Überprüfung von Tonbändern durch den Europarat zu. Darauf soll ein Gespräch zwischen Kutschma und Innenminister Krawtschenko aufgezeichnet sein, in dem der Präsident vorschlägt, Gongadse solle von "Tschetschenen entführt werden". Der ehemalige Staatssicherheitsoffizier Mikola Melnischenko will das Gespräch heimlich im Büro des Staatsoberhauptes aufgenommen haben. 8.000 Menschen fordern in Kiew Kutschmas Rücktritt.

    2002

  • 24. September: Die US-Regierung hält die Tonbänder für echt. Auf den Bändern finden sich auch Hinweise auf illegale ukrainische Waffengeschäfte mit dem Irak.

    2004

  • Juni: Die Staatsanwaltschaft in Kiew räumt ein, Gongadse sei vor seinem Tod von Polizisten bedroht worden.

  • 10. September: Nach mehrjähriger Untersuchung der Tonbänder teilt die Regierung in Kiew mit, es handle sich um eine "Montage schlechter Qualität". Die Stimmen auf den Aufnahmen seien nicht zu identifizieren.

  • 16. September: Zum vierten Jahrestag von Gongadses Verschwinden beklagt die EU mangelnde Fortschritte bei den Ermittlungen.

    2005

  • Februar: Deutsche und Schweizer Rechtsmediziner sollen eine neue Erbgut-Analyse an Gongadses Körper vornehmen, um ihn zweifelsfrei zu identifizieren. Der neue ukrainische Präsident Viktor Juschtschenko teilt im Europaparlament mit, zwei der vier wichtigsten Zeugen in der Sache seien ermordet worden. Die ukrainische Staatsanwaltschaft erklärt sich bereit, die Tonbänder noch einmal zu untersuchen.

  • 1. März: Juschtschenko erklärt den Mordfall für gelöst und erhebt schwere Vorwürfe gegen seinen Vorgänger Kutschma. Einen Tag später teilt die Staatsanwaltschaft mit, zwei mutmaßliche Täter seien gefasst worden, die Auftraggeber seien bekannt.

  • 4. März: Der für diesen Tag zu staatsanwaltschaftlichen Befragungen geladene Ex-Innenminister Krawtschenko wird in seinem Landhaus erschossen aufgefunden. Laut Behörden hat er vermutlich Selbstmord begangen. Die kommunistische Opposition fordert die Festnahme von Ex-Staatschef Kutschma.

    (APA/AFP)

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