"Rote Karte" für Rauch-Kallat

7. März 2005, 21:54
15 Postings

Aktion der "an.schläge" am 8. März verweist auf verschlechterte Situation von Frauen in Österreich

Wien - Der Gesundheits- und Frauenministerin Maria Rauch-Kallat soll am 8. März, am Internationalen Frauentag, die Rote Karte gezeigt werden. dieStandard.at hat die Redakteurinnen des feministischen Magazins "an.schläge", Renate Billeth und Martina Madner, die hinter dieser Aktion stehen, per E-Mail befragt.

dieStandard.at: Maria Rauch-Kallat soll am 8. März die Rote Karte gezeigt werden - warum?

an.schläge: Die Situation von Frauen in Österreich hat sich in den vergangenen Jahren dramatisch verschlechtert. Die Einkommensschere zwischen Frauen und Männern wird immer größer, atypische Beschäftigungsverhältnisse betreffen Frauen viel stärker als Männer: Die selbstständige Regalbetreuerin oder Erwachsenenbildnerin ist nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel geworden. Frauen finden zwar Beschäftigung(en), kommen mit ihrem Einkommen aber kaum noch über die Runden - wenn sie krank sind oder ihren Job verlieren, haben sie weder Anrecht auf Kranken- noch auf Arbeitslosengeld. Den (unbezahlten) Urlaub können sie sich auch immer seltener leisten. Das fällt ja nicht nur uns auf - auch OppositionspolitkerInnen und GewerkschafterInnen schlagen Alarm!

dieStandard.at: Würde die Rote Karte nicht der ganzen Regierung gebühren?

an.schläge: Natürlich wären wir nicht böse, wenn das Schwarz-Blaue Team vom Feld ginge... Schließlich trägt die gesamte Regierung politische Verantwortung. Aber von einer Frauenministerin darf frau sich schließlich besonderes Engagement erwarten.

dieStandard.at: Welche frauenpolitischen Forderungen gehören in Österreich, eurer Meinung nach, dringendst umgesetzt?

an.schläge: Politik, die Frauen eine sichere und selbstbestimmte Existenz ermöglicht und sie nicht immer stärker in die Armut drängt. Aber auch ein klares Bekenntnis der Ministerin zu bestehenden Frauenrechten - Stichwort Fristenlösung - würden wir erwarten. Unterstützung von Maßnahmen, damit Frauen vor Abtreibungskliniken nicht länger von selbst ernannten "LebensschützerInnen" angepöbelt werden. Was vor Schulen am Karlsplatz machbar ist, muss doch am Fleischmarkt auch möglich sein.

dieStandard.at: Ihr fordert "eine Frauenministerin". Sprecht ihr Maria Rauch-Kallat damit quasi die Eignung ab?

an.schläge: Das ist wohl weniger eine Frage der Eignung als des politischen Willens! Derzeit scheint es oft als wäre der Posten der Frauenministerin vakant.

dieStandard.at: Was wird die "Rote Karte" bringen?

an.schläge: Aufmerksamkeit! Wir haben mit unserer Aktion - so scheint's - den Nagel auf den Kopf getroffen. Frauen, die ihren Unmut zeigen wollen, können am 8.März mit der Roten Karte ein sichtbares Zeichen setzen. Dass Maria Rauch-Kallat dadurch zur linken Emanze wird, bezweifeln wir allerdings...

dieStandard.at: Wie kann eure Aktion unterstützt werden?

an.schläge: Ganz einfach: Die Rote Karte aus dem an.schläge Heft nehmen oder auf www.anschlaege.at downloaden, ausdrucken und dann nix wie hin zur Demo (Treffpunkt in Wien: 17 Uhr beim Westbahnhof)!

dieStandard.at: Und wer nicht zur Demo kommen kann?

an.schläge: Nicht unterkriegen lassen, aufmüpfig sein. Wo und wann immer es geht, Frauenrechte einfordern - und natürlich die an.schläge lesen!

  • Renate Billeth (links) und Martina Madner, koordinierende Redakteurinnen des feministischen Magazins "an.schläge", zeigen Maria Rauch-Kallat die rote Karte.
    foto: an.schläge
    Renate Billeth (links) und Martina Madner, koordinierende Redakteurinnen des feministischen Magazins "an.schläge", zeigen Maria Rauch-Kallat die rote Karte.
Share if you care.