Die hängenden Gärten von Favoriten

15. Februar 2006, 12:20
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In der Alxingergasse entsteht ein kleines ökologisch-architektonisches Vorzeigeprojekt

Die hängenden Gärten der Semiramis standen als eines der Sieben Weltwunder bekanntlich in Babylon und wären in Wien-Favoriten wohl fehl am Platz. Aber etwas von dieser Vision versuchen das Architektenehepaar Kinayeh und Markus Geiswinkler in ihrem neuen Wohnprojekt Alxingergasse/ Hardtmuthgasse umzusetzen, das im Herbst 2005 fertig gestellt werden soll.

"Schwebendes Haus"

Das Vertikalgartenhaus soll eine Art „schwebendes Haus“ darstellen, sagt Helga Grafl von der gemeinnützigen Wohnbaugenossenschaft Neues Leben, die das Projekt mit Wiener Wohnbauförderungsmitteln errichtet. 17 Mietwohnungen zwischen 63 und 100 m² werden als moderne Maisonetten eingerichtet. Aluminium-Blechfassaden und Parkettboden gehören zur Standardausstattung. Die genaue Gestaltung der Einheiten bleibt sonst äußerst flexibel. 13 verschiedene Wohnungstypen finden sich auf dem engen Raum.

Gemeinschaft

Viel Wert legen die Bauträger auf großzügige Gemeinschaftseinrichtungen, die aus Nachbarn eine Wohngemeinschaft schmieden soll: Im Haus sind neben dem gemeinschaftlichen Dachgarten, auch ein Kinderspielraum in Kombination mit einem Kinderspielplatz, eine Werkstatt und ein Hobbyraum vorgesehen.

Besonders auffallend am Geiswinkler-Konzept aber ist die Vermischung von Natur und Architektur: Jede Wohnung besitzt einen eigenen Vertikalgarten, der mit Humus ausgestattet ist. Vom gemeinsamen Dachgarten ausgehend wird das Regenwasser zur natürlichen Bewässerung zu allen darunter liegenden Grünflächen weitergeleitet.

Sichtschutz

Wenn alles vollgewachsen ist, soll das urbane Wohnhaus tatsächlich den Eindruck von hängenden Gärten vermitteln. Die Rankgerüste der Geländer bilden einen natürlichen Sichtschutz für die Mieter. Dadurch entstehen mit natürlichen Mitteln offene, aber private Freibereiche für alle Haushalte. Schließlich sollen eine gezielte Sonneneinstrahlung und die vielen Pflanzen für eine natürliche Klimaregulierung sorgen und damit auch die Heizkosten möglichst niedrig halten.

Für die Genossenschaft „Neues Leben“, die insgesamt 4600 Wohneinheiten verwaltet, ist das Projekt ein Beispiel, wie auch ohne Wettbewerb gute Architektur im geförderten Wohnbau geschaffen werden kann. Trotz seiner geringen Größe ist die Alxingergasse ein architektonisches und ökologisches Vorzeigeprojekt, das auf die ganze Nachbarschaft rund um die Inzersdorfer/Laxenburger Straße ausstrahlen soll. Es wird zwar kein Weltwunder, aber für diesen Teil von Favoriten dennoch eine kleine Sehenswürdigkeit. (red, DER STANDARD Printausgabe, 04.04.2005)

  • Jede der 17 Wohneinheiten in der Alxingergasse ist mit vertikalen Gärten ausgestattet
    foto: neues leben

    Jede der 17 Wohneinheiten in der Alxingergasse ist mit vertikalen Gärten ausgestattet

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