Ein Hightech-Turm im alten Grätzl

9. Oktober 2006, 21:01
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Am einst so proletarischen Höchstädtplatz entsteht ein neuer Stadtteil, der Wohnen, Bildung und Unternehmertum verbinden soll

Der Höchstädtplatz in Brigittenau war einst ein Herzstück des proletarischen Wiens. Hier an der Kreuzung von Dresdner Straße und Stromstraße wohnten Arbeiterfamilien zwischen industriellen Anlagen, hier hatte der KPÖeigene Globus-Verlag seinen Sitz. Doch die finanzmarode KPÖ hat zu Jahresanfang ihr Gebäude an einen deutschen Fonds verkauft, und der Platz ist heute Schauplatz eines der interessantesten Stadtentwicklungsprojekte in Wien.

1999 gewann das Planungsteam von Erich Raith, Reinhardt Gallister und Anna Detzlhofer den Wettbewerb für die Schaffung eines Technologie- und Gründerzentrums am Höchstädtplatz mit einer Gesamtnutzfläche von 50.000 m2, zu dem neben der 2003 eröffneten Fachhochschule Technikum ein gerade fertig gestelltes Business & Research Center und zahlreiche Büro- und Wohngebäude gehören.

Ellipse

Insgesamt 110 Millionen Euro werden am Höchstädtplatz aus öffentlicher und privater Hand investiert. Blickfang des revitalisierten Stadtteils soll ein 83 Meter hohes elegantes Wohnhaus in elliptischer Form werden, das der gemeinnützige Bauträger Sozialbau derzeit errichtet. Bis Sommer nächsten Jahres werden auf 26 Etagen 142 geförderte Mietwohnungen mit wunderbarer Aussicht auf Donau und die Wiener Hausberge entstehen.

Von „himmlischen Aussichten im alten Grätzl“ verkündet stolz die Sozialbau. Ihr technischer Direktor Wilhelm Zechner spricht von einem gelungenen „Beispiel für urbanes Wohnen“.

Bei 12 Metern beginnt’s

Der Rundblick aus den 65 bis 95 m2 großen Wohneinheiten wird vor allem dadurch möglich, dass die Wohngeschoße erst bei zwölf Meter Höhe beginnen; darunter liegen Funktionsräume, Geschäfte und Büros. Das von Architekt Albert Wimmer entworfene Hochhaus wird durch ein siebengeschoßiges Wohnhaus mit 67 geförderten Mietwohnungen in der benachbarten Stromstraße ergänzt. Dazwischen liegen verkehrsfreie Zonen und Grünflächen.

Jede Wohnung ist mit einer Loggia oder einem Wintergarten ausgestattet. Die Bewohner teilen sich Tiefgarage, Abstellzimmer, Waschsalons und Kinderspielräume. Bautechnik und Ökologie kombinieren sich mit einer kompletten modernen Telekommunikationsversorgung: Telefonund Fernsehverkabelung in jedem Wohnraum, IT-Anschlüsse, modernste Lichtwellenleiter- Technologie, höchste Sicherheits- und Ökologiestandards, Duplexaufzüge etc. Die Planung wird bauplatzübergreifend sein, die Gärten werden parkähnlich ausgestattet.

"Superförderungen"

Beim Höchstädtplatz/ Stromstraße handelt sich um ein Mischprojekt, das aus 210 Genossenschaften und 50 Eigentumswohnungen besteht, die sowohl durch Eigenkapital als auch durch Grundbauförderungen finanziert werden. Zechner spricht hier von „Superförderungen“, da keine Grundkosten weiterverrechnet werden.

Mit mehr als 44.000 verwalteten Miet-, Genossenschafts– und Eigentumswohnungen, 17.000 Garagenplätzen und 460 Geschäftslokalen ist die vor 50 Jahren gegründete Sozialbau heute Marktführer unter den gemeinnützigen und privaten Wohnungsunternehmen. (red, DER STANDARD Printausgabe, 04.04.2005)

  • Der von Albert Wimmer entworfene Turm wird aus dem Ensemble des Höchstädtplatz hervorstechen. An der Stromstraße steht der „kleine Bruder“

    Der von Albert Wimmer entworfene Turm wird aus dem Ensemble des Höchstädtplatz hervorstechen. An der Stromstraße steht der „kleine Bruder“

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