Linz: "Turnvater" Jahn sorgt für Diskussion

5. März 2005, 14:54
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Grüne wollen Umbenennung von Schule und Straße - SPÖ-Bürgermeister: Wäre er ein Nationalsozialist gewesen, würde die Stadt nicht zögern

Linz - Für Diskussion sorgt der Vorschlag der Linzer Grünen, die Jahnschule und Jahnstraße im Stadtteil Urfahr - aus Anlass "60 Jahre Befreiung von der Nazi-Diktatur" - umzubenennen. Ein entsprechender Antrag sei schon mehrmals im Gemeinderat gestellt worden, habe aber keine Mehrheit erhalten, erklärte Bürgermeister Franz Dobusch (SPÖ) am Donnerstag. "Turnvater" Friedrich Ludwig Jahn (1778-1852) sei zwar ein Wegbereiter der "Rassenlehre" gewesen, aber kein Nationalsozialist.

Grüne wollen "Sophie Scholl-Schule"

Die Grünen haben in einer Presseaussendung die Umbenennung in "Sophie Scholl-Schule" bzw. "Sophie Scholl-Straße" vorgeschlagen. Zudem solle das Jahn-Denkmal im Linzer Volksgarten zu einem Mahnmal werden. Gerade im Gedenkjahr 2005 bedarf es einer sehr aufmerksamen Auseinandersetzung mit all jenen Worten und Taten, die dazu beigetragen hätten, den "politischen und gesellschaftlichen Boden für die grausamen Verbrechen des Völkermordes im Nationalsozialismus zu schaffen", betonte die Menschenrechtssprecherin der Linzer Grünen Gülcan Gigl. Jahn gelte als "Vordenker" des Rassismus und der "Rassenhygiene".

Bürgermeister erwartet keine Mehrheit

Dobusch geht davon aus, dass der Antrag auch dieses Mal keine Mehrheit im Gemeinderat erhalten werde. Wäre Jahn ein Nationalsozialist gewesen, würde die Stadt nicht zögern, die Schule und die Straße umzubenennen, betonte der Bürgermeister. Er habe auch überhaupt nichts dagegen, mit einer Straße oder einer Einrichtung an die Widerstandskämpferin Sophie Scholl zu erinnern. Linz habe beispielsweise schon vor langer Zeit eine Straße nach Franz Jägerstätter benannt. (APA)

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    "Turnvater" Friedrich Ludwig Jahn (1778-1852)

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