Frühstück im Freien

26. April 2005, 14:50
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Begegnungen mit Eisbären und anderen Zeitgenossen bei einer Tour um den Nordpol

In 27 Monaten umrundete der Abenteurer Mike Horn den nördlichen Polarkreis im Alleingang und ohne motorisierte Hilfsmittel. Bei dieser einmaligen Expedition legte er 20.000 Kilometer zurück, zog bis zu 200 Kilogramm Ausrüstung auf einem Schlitten mit und war Temperaturen bis zu minus 62 Grad Celsius ausgesetzt.

DER STANDARD: Mr. Horn, Sie haben den Amazonas von seiner Quelle bis zur Mündung durchschwommen, halten den Hydrospeed-Board-Weltrekord im Wasserfallbezwingen und haben den Äquator umrundet. Dennoch bezeichnen Sie die Expedition Arktos, die Umrundung des Polarkreises, als Ihre größte Herausforderung. Warum?

Mike Horn: Diese Expedition war eine völlig neue Erfahrung. Zum einen, weil sie meine bisher längste war, zum anderen, weil sie so viele unterschiedliche Transportmittel kombinierte: Ich war zu Fuß, auf Skiern, mit dem Drachensegel, mit dem Seekajak, mit einem Aluboot, mit einem Corsair Trimaran und mit dem Fahrrad unterwegs.

DER STANDARD: Was war die gefährlichste Situation bei dieser Tour?

Mike Horn: Jede der Disziplinen bringt ihre Risken mit sich: Auf Skiern kann das Eis im Frühwinter brechen, im Seekajak wird es bei Schlechtwetter schnell ungemütlich, und auch das Segeln im Packeis bringt Überraschungen mit sich. Bei all dem suchte ich jedoch nicht die Gefahr, wir versuchten bei der Planung, das Risiko zu minimieren.

DER STANDARD: Was war Ihre technische Ausrüstung?

Mike Horn: Ein spezielles "Survival Equipment": zum Beispiel Ausrüstung, um Eis und Schnee zu Trinkwasser zu schmelzen, eine Matratze, um nicht am Zeltboden festzufrieren, ein Telefon, ein Notrufsignal, GPS - das in diesen Regionen allerdings nur bedingt funktioniert.

DER STANDARD: Die Panerai Watches haben Ihre Expedition gesponsert und Ihnen eine spezielle Uhr, die Panerai Luminor Arktos, entwickelt. Haben Sie diese als Kompass verwendet?

Mike Horn: Ja, als Sonnenkompass. Durch ein Spezialinnengehäuse aus Weicheisen ist sie vor Magnetfeldern geschützt, und es kommt zu keinen Abweichungen wie sonst häufig in Polarnähe. Zudem ist die Uhr extrem temperaturbeständig und hält bis zu minus 70 Grad Celsius aus.

DER STANDARD: Ist es nicht ein seltsames Gefühl, mit einer Uhr wie der Panerai, die ursprünglich als Taucheruhr konzipiert wurde, ausgerechnet den Polarkreis zu umrunden?

Mike Horn: Nein, sie war sehr geeignet. Schließlich habe ich ja den größten Teil meines Weges auf dem Wasser zurückgelegt. Da ist es schon wichtig, dass eine Uhr wirklich wasserdicht ist - auch wegen der Feuchtigkeit im Zelt, z. B. beim Kochen. Ich glaube auch, es ist viel leichter, eine Taucheruhr für die Verwendung an Land zu adaptieren als umgekehrt.

DER STANDARD: War es für Sie nicht eine seltsame Erfahrung, dass nicht die vielen Extrembedingungen und Gefahren, sondern die politischen Verhältnisse es waren, die Ihre Expedition fast zum Scheitern gebracht haben?

Mike Horn: Es stimmt, ich hatte Probleme bei der Einreise nach Sibirien, wurde einen Monat unter Hausarrest gestellt und beinahe ausgeflogen. Dann musste ich drei Monate auf die Einreiseerlaubnis warten. Es war viel schwieriger für mich, das zu akzeptieren, als mich auf einen Eisbären einzustellen, der kommt, um mich zu fressen.
(Tanja Paar/Der Standard/rondo/04/03/2005)

  • Vom Nordkap aus umrundete der 38-jährige Mike Horn den nördlichen Polarkreis.
    foto: standard

    Vom Nordkap aus umrundete der 38-jährige Mike Horn den nördlichen Polarkreis.

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