Hart wie ein Diamant

12. Mai 2005, 17:52
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Der CEO von Rado, Roland Streule, über die V10K, die sich (fast) nicht zerkratzen lässt

Der Standard: Die V10K, das neueste Modell von Rado, ist auf den ersten Blick einfach eine schwarze Uhr. Wo sind die Diamanten?
Roland Streule: Oberfläche und Seitenteile der Uhr wurden mit einem speziell entwickelten Verfahren mit mikroskopisch kleinen Diamanten überzogen. Mit Ausnahme des Saphirglases über dem Ziffernblatt.

Wie wird diese Beschichtung hergestellt?
Streule: Die Diamanten werden in einer Art Ofen gezüchtet. Man sieht sie nur in der Vergrößerung, aber der Effekt ist der, dass Sie diese Oberfläche nur mit einem Diamanten zerkratzen können. Wir orientieren uns an einem Prozess, der in der Natur Jahrmillionen gedauert hat und kürzen ihn ab.

Wie lange ist die Uhr im Ofen?
Streule: Einige Tage. Die Oberfläche wird dann nicht mehr nachbehandelt. Diese Uhrenteile sind fertig, wenn sie aus dem Ofen kommen. Natürlich wird erst danach das Uhrwerk montiert.

Warum hat die Entwicklung der Uhr so lange gedauert?
Streule: Diese Technologie wird normalerweise dazu benutzt, hochwertige Schleifwerkzeuge herzustellen. Diese sind zwar hart wie ein Diamant, genügten aber nicht unseren Anforderungen. Eine völlig gleichmäßige Oberfläche hat der Hersteller dieser Beschichtungen, übrigens ein österreichisches Unternehmen, noch nie zuvor erzielt.

Wie hoch ist denn der Ausschuss?
Streule: Im Moment noch viel zu hoch. Es sind nur wenige Teile, die zugleich in den Ofen hineinpassen. Daher ist die Produktion im Moment noch sehr beschränkt.

Die Uhr ist aber nicht limitiert?
Streule: Nein, aber es gibt eine fortlaufende Seriennummer. Wir hoffen, dass in der Produktion eine Zahl von 200 Stück pro Monat erzielt werden kann. Das ist wenig, aber keine künstliche Verknappung.
Zurück zur Farbe Schwarz: Die Diamantschicht müsste doch eigentlich durchsichtig sein. Ist das Trägermaterial schwarz, weil das die Farbe von Rado ist?
Streule: Nein, es ist schlicht eine technische Notwendigkeit. Wir würden damit gerne auch experimentieren, aber noch sind wir nicht so weit.

Hat die Uhr einen Designer?
Streule: Sicher, aber es ist ein Designer aus unserem Haus. Die technischen Rahmenbedingungen waren ja sehr eng gesteckt.

Die Frage ist jetzt natürlich, was als Nächstes kommt. Eine noch härtere Uhr wird ja kaum möglich sein.
Streule: Wir arbeiten an einem Uhrband mit dieser Beschichtung. Momentan gibt es Kautschukbänder in vier verschiedenen Farben zur Auswahl. Als Nächstes wäre eine andere Form oder eine andere Größe denkbar. Aber auch ein Uhrglas aus Diamant ist ein Traum, den ich mir gerne erfüllen würde.

Auffallend ist, dass die Uhr keine Krone hat, an der man die Uhrzeit verstellen kann.
Streule: Wenn die Uhr einmal richtig gestellt ist, dann brauchen Sie sie nur noch beim Reisen zu korrigieren oder bei der Umstellung von Sommer- auf Winterzeit. Das geschieht mithilfe eines kleinen Magneten, den Sie an einen Schlitz auf der Rückseite halten. Dann läuft die Uhr jeweils im Halbstundentakt vor oder zurück.

Entsteht dadurch nicht eine psychologische Hemmschwelle? Es sind schon Uhren ohne Krone am Markt durchgefallen. Anscheinend wollten die Käufer nicht die Kontrolle über die Zeit verlieren.
Streule: Es ist ein wenig, wie wenn man ein Auto ohne Steuerrad bauen würde. Aber wir haben mit diesem System bereits Erfahrungen bei anderen Modellen gemacht. Es ist ja paradox: Bei einer batteriebetriebenen Uhr braucht man die Krone so selten, und gleichzeitig ist sie eine sensible Stelle, an der Wasser und Schmutz eindringen können. So viel Wagnis erwarten wir von unseren Kunden schon.
oel/Der Standard/rondo/04/03/2005)

  • Roland Streule, Chef von Rado.
    foto: hersteller

    Roland Streule, Chef von Rado.

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