Zimmer mit Collier

11. März 2005, 17:44
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Bulgari gehört zu den weltweit am schnellsten wachsenden Luxusgüterkonzernen. Thesie Kness-Bastaroli sprach mit Firmenchef Francesco Trapani

Schmuck, Uhren, Parfüms und Accessoires sind die Domäne des italienischen Luxuskonzerns Bulgari. Während andere Luxuskonzerne wie etwa LVMH (Louis Vuitton Moët Hennessy) in Frankreich oder der italienische Gucci-Konzern derzeit auf das Bremspedal treten, befindet sich Bulgari wieder auf Wachstumskurs. Das Unternehmen belegt in der Rangliste der Edeljuweliere nach Cartier (Paris) und Tiffany (New York) bereits den dritten Platz. Zwischen zehn und 15 Prozent des Umsatzes (2004: 827 Mio. Euro) werden jährlich für Werbung ausgegeben. Nach einem Umsatzplus von zwölf Prozent im Vorjahr strebt Firmenchef und Großaktionär Francesco Trapani auch heuer eine zweistellige Wachstumsrate an.

Die Rahmenbedingungen für den Luxussektor haben sich seit dem Vorjahr wesentlich verbessert. Vor allem in den USA und in Asien sieht der Erfolgsmanager noch Wachstumspotenzial. "Ich bin vorsichtig optimistisch", zeigt der wegen seines Understatements bekannte Firmenchef durchaus Zuversicht. Vor allem bei Lederwaren und im Accessoirebereich soll in Zukunft kräftig investiert werden. Der schwache Dollar ist für Trapani kein Problem: "Wir profitieren von geringeren Kosten beim Einkauf", kommentierte er den für zahlreiche Modehersteller zur Mausefalle gewordenen Wechselkurs. "Wir sind große Kunden für Rohstoffe in den USA."

Francesco Trapani

... ein Abkömmling der zur Jahrhundertwende aus Griechenland nach Rom ausgewanderten Gründerfamilie Bulgari, steht seit 20 Jahren an der Konzernspitze. Sein Verdienst ist es nicht nur, dass das Unternehmen die Krise der vergangenen drei Jahre besser überstanden hat als manch ein anderer Luxuskonzern. Um sein umfangreiches Wissen über das Luxusgeschäft zu verwerten, hat das Unternehmen ein Joint Venture mit der US-Hotel-Kette Marriott gegründet - Trapani will auch in der Top-Hotellerie Fuß fassen.

Dies ist ihm bereits in Mailand gelungen, wo das vor einem Jahr eröffnete Bulgari-Hotel inzwischen zum Treffpunkt hipper Luxusfans wurde. Demnächst soll ein weiteres Hotel auf Bali eröffnet werden. Auch in London, Paris und New York ist das Unternehmen auf der Suche nach geeigneten Objekten. "Wir sind nicht da- ran interessiert, in Immobilien zu investieren. Uns geht es darum, als Hotelbetreiber das Luxusimage Bulgaris mit dem Hotelgeschäft zu verbinden."

Natürlich hat auch Bulgari die nach dem Terroranschlag in New York einsetzende und durch Sars und den Irak-Konflikt verschärfte Krise am Luxusmarkt zu spüren bekommen. Der Konzern, der zur Jahrtausendwende mit einer rasanten Wachstumspolitik von sich reden machte (u.a. wurden die beiden Schweizer Luxusuhrenhersteller Daniel Roth und Gerald Genta gekauft), reagierte mit einer rigorosen Sparpolitik und stoppte vorerst die Wachstumsambitionen.

Nun ist eine Trendwende in Sicht

In den vergangenen Monaten wurde ein Joint Venture mit dem weltweit größten Diamantenschleifer Leviev unterzeichnet und der Juwelier Crova ganz übernommen, weitere Zukäufe werden nicht ausgeschlossen. Insgesamt betreibt das Unternehmen knapp 200 eigene Geschäfte. Nicht nur die Produktpalette wird erweitert, auch soll das Filialnetz vergrößert werden. Im Visier des dynamischen Firmenchefs stehen Asien und der US-Markt. Das größte Wachstumspotenzial wittert Trapani in der Volksrepublik China, dort ist Bulgari bereits mit Filialen in Hongkong, Schanghai und Peking präsent. Die Anzahl der Geschäfte soll in China auf mindestens zehn erhöht werden.

Auch in Brasilien sieht Trapani mittelfristig gute Chancen. In Europa sei, zumindest heuer, noch keine große Trendwende absehbar, abgesehen von den US-amerikanischen und asiatischen Touristen, die sich neuerdings wieder auf Einkaufstouren befinden.
(Der Standard/rondo/04/03/2005)

  • Firmenchef Francesco Trapani
    foto: bulgari

    Firmenchef Francesco Trapani

  • Ein Unikat aus der High-Jewellery-Collection von Bulgari.
    foto: hersteller/bulgari

    Ein Unikat aus der High-Jewellery-Collection von Bulgari.

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