Kunsthalle mit Kleinmuseum

2. März 2005, 20:51
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Mit dem Kunsthaus Bregenz hat Vorarlberg eine international beachtete Ausstellungsorganisation

Deren renommierter Direktor Eckhard Schneider hält sich zu den aktuellen Strukturquerelen bedeckt.


Bregenz - Hans Schabus hat dort sein "Rendezvousproblem" erörtert, Santiago Sierra 300 Tonnen Material ankarren lassen, Jenny Holzer die Fassade Xenon-unterstützt mit Bedeutung versehen. Eben haben Jake und Dinos Chapman dort Sex, Death und McDonald's inszeniert. Gary Hume war da, Thomas Demand, Franz West, Gerhard Merz, Mariko Mori, Dough Aitken, Douglas Gordon, Pierre Huyghe und Gilbert & George.

Demnächst kommt Rachel Whiteread. Ihr folgen Roy Lichtenstein und das kanadische Künstlerpaar Janet Cardiff/George B. Miller. Dass mit Tu Felix Austria ... vier heimische Newcomer kommenden September gerade in Bregenz präsentiert werden, erscheint vom Standpunkt Osten aus beinahe provokant.

Dort finden bekanntlich Debatten um Neuordnungen und Strukturbereinigungen, um Zusammenlegen oder sonstwie Expandieren, um Kunst oder Quote statt. Und Bregenz hält sich raus. Oder wird erst gar nicht mitgedacht. Man könnte jetzt argumentieren, das Kunsthaus Bregenz wäre gar kein Museum und hat demnach in der erregten Museumsdiskussion auch nichts zu suchen. Das stimmt aber so nicht ganz. Das Kunsthaus Bregenz sammelt. Die herausragende Architektur Peter Zumthors, die 1997 eröffnet wurde, ist nicht nur Hülle für eine - von Gründungsdirektor Edelbert Köb begonnene und ab 2000 von Eckhard Schneider fortgesetzte - international beachtete Serie von Ausstellungen. 1991, Jahre vor der Eröffnung des Neubaus, hat das Kunsthaus Bregenz begonnen, eine Sammlung österreichischer Kunst anzulegen.

Man konzentriert sich auf Malerei, Skulptur, Objekt-und Konzeptkunst, wobei Videokunst, Mixed Media und Fotografie Berücksichtigung finden. So finden sich Arbeiten von Bohatsch, Brandl, Gironcoli, Kogler, Kopf, Lassnig, Rockenschaub, Wurm, West, Zobernig, Scheibl, Schmalix im Haus am Bodensee. Daneben dokumentiert das Archiv Kunst und Architektur Werke im Spannungsfeld von Kunst und Bauen. Das Kunsthaus Bregenz kann demnach durchaus als Museum betrachtet werden; zumindest als Museum im Werden mit dem Wettbewerbsvorteil eines sehr schlanken Teams mit gerade einmal einem Kurator (Rudolf Sagmeister).

Und: Die Tatsache, dass Direktor Eckhard Schneider sich mit Kommentaren zum östlichen Jenseits des Arlbergs zurückhält, macht auch nur dort den Eindruck, er würde nicht mitspielen. Das Kunsthaus Bregenz wird international wahrgenommen. In Wien weniger. Die unmittelbaren Einzugsgebiete Schweiz und Deutschland liegen wohl näher. Und: Eckhard Schneider ist Mitglied der Jury zum Turner Prize 2005. Mag sein, als Folge seines leicht anglophilen Programmes.

Jedenfalls aber gilt der Turner Prize, der seit 1984 von der Londoner Tate-Gallery vergeben wird, als einer der wichtigsten Preise für Künstler weltweit. Die Bekanntgabe weckt ungeheures Medieninteresse, die gekürten Künstler - unter fünfzig Jahren - sollten es mit Erhalt der Auszeichnung "geschafft" haben. Natürlich profitiert der Standort Bregenz von diesem Echo.

"Zentrales Ziel bleibt, eine gemeinsame Verantwortung dem Kunstwerk und dem Publikum gegenüber zu erfüllen, und das Kunsthaus regional und international als führendes Ausstellungshaus mit eigenständigem Profil für aktuelle zeitgenössische Kunst dauerhaft zu positionieren."

Um seinen recht lapidar formulierten Grundsatz auch einzulösen, hat Schneider in den vier Jahren seiner Amtszeit etwa 20 vorwiegend eigenproduzierte Ausstellungen realisiert, Künstlerbücher verlegt, und jährlich etwa 700 Kunstvermittlungsveranstaltungen - vom Frühstück mit (verschlafenen) Künstlern am Tag nach der Vernissage bis zu museumspädagogischen Programmen - organisiert.

Konkurrenz vor Ort braucht er keine zu fürchten. Das Programm des Vorarlberger Landesmuseums bedient andere Zielgruppen, erstreckt sich von Nordische Landschaften bis hin zu 110 Jahre Segel-und Rudersport. Und der Bregenzer Kunstverein wirbt vor allem als Austragungsort des Tanzfestivals "Bregenzer Frühling". Nur das Archiv des Vereins verweist noch auf eine beachtliche Tradition.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.3.2005)

Von
Markus Mittringer

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kunsthaus-bregenz.at

  • Hinter der Fassade des Bregenzer Kunsthauses von Peter Zumthor verbirgt sich auch eine Sammlung österreichischer Gegenwartskunst.
    foto: standard/ heribert corn

    Hinter der Fassade des Bregenzer Kunsthauses von Peter Zumthor verbirgt sich auch eine Sammlung österreichischer Gegenwartskunst.

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