Fuhrmann: "Sind noch nicht im grünen Bereich"

14. März 2005, 15:49
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Die BA-CA-Betriebsratschefin erklärt im STANDARD-Interview, warum und woran man merkt, dass sie "die Zeichen der Zeit erkannt" hat

STANDARD: Neun Monate haben Sie mit dem Vorstand ums Dienstrecht gestritten, jetzt hat doch er sich durchgesetzt. Ab 1. April gilt ein neues Dienstrecht, das Definitivum ist weg, das Gehaltsschema nicht mit dem Betriebsrat akkordiert. Warum haben Sie das Match verloren?

Fuhrmann: Das war nie ein Match, ich fühle mich weder als Verliererin noch als Siegerin. Es geht um ein Dienstrecht, Vertragstreue und Sozialpartnerschaft. Und: Es ist nicht die beste Lösung rausgekommen, weil das Paket nicht gemeinsam erarbeitet wurde.

STANDARD: Laut Vorstandschef Hampel sind 80 Prozent davon mit Ihnen akkordiert. Wozu dann die Aufregung?

Fuhrmann: Es stimmt, dass Teile des Pakets auf unserer gemeinsamen Zielvereinbarung beruhen. Und durch den Einbau von bis zu zehnjährigen Übergangsfristen hat sich der Vorstand in unsere Richtung bewegt. Das ist die Folge unserer letzten Betriebsversammlung, in der ein Streikbeschluss gefasst wurde.

Aber: Nichts kann darüber hinwegtäuschen, dass der Vorstand einseitig vorgegangen ist. Er hat, mit dem rechtlichen Taschenspielertrick des fliegenden Kollektivvertragswechsels, Verträge beseitigt und geändert. Das ist Fakt und nicht zu akzeptieren.

STANDARD: Ihnen wirft man vor, mit dem Beharren auf Definitivum und anderen Privilegien nichts erreicht zu haben. Sind Sie reformresistent?

Fuhrmann: Das Definitivum steht überhaupt nicht an vorderster Stelle unseres Interesses. Zuerst muss der OGH entscheiden, ob der Sparkassen- oder der Banken-KV gilt. Gilt letzterer, gibt es für Neueintretende eben keine Unkündbarkeit. Da bleibe ich ziemlich gelassen.

Nicht allerdings, wenn man uns Privilegien vorwirft, die wir nicht haben. Die berühmte EDV-Zulage etwa: Die bekommt nicht der, der am PC sitzt, sondern das ist eine Art Marktwertzulage für ein paar hoch qualifizierte IT-Spezialisten. Man will uns desavouieren, das ist unanständig.

STANDARD: 2300 neue Pragmatisierungen wollen Sie aber?

Fuhrmann: 2002 hat Vorstandschef Gerhard Randa rund 1600 CA-Mitarbeitern brieflich die Option auf Definitivstellung angeboten. Der Betriebsrat geht davon aus, dass der heutige Vorstand dieses Versprechen hält. Wir können nicht zulasten Dritter darauf verzichten.

Auch dieses Thema wird bewusst hochstilisiert, um mir unzeitgemäßes Verhalten zu unterstellen. Dabei bin ich pragmatischer, als man glaubt. Mein Wille zur Reform ist ungebrochen, aber gewisse Werthaltungen und Grundsätze werfe ich nicht je nach Zeitgeist über Bord. Wir haben die Zeichen der Zeit erkannt und das auch bewiesen.

STANDARD: Wie?

Fuhrmann: Bei Arbeitszeit, Flexibilisierung, weniger Seniorität, mehr Leistungskomponenten und so fort.

STANDARD: Also passt das neue Dienstrecht ja. Warum haben Sie nicht unterschrieben?

Fuhrmann: Es ist recht eigenwillig, das als modernes, neues Dienstrecht zu titulieren. Es basiert auf dem Banken-KV, der stammt aus 1949 und hat fast 30 Gehaltsstufen, mehr als unsere BV69.

Und: Wir konnten auch deshalb nicht unterschreiben, weil wir damit den Wechsel in den Banken-KV faktisch legitimiert hätten. Das hätte den Gang zum OGH obsolet gemacht. Diese rechtliche Prüfung muss aber stattfinden. Bis dahin ist das alles nur ein Zwischenergebnis.

STANDARD: Die Streikdrohung ist jetzt aber vom Tisch?

Fuhrmann: Vorerst gibt es keinen Streik, weil der Vorstand Bewegung gezeigt hat. Jetzt kommt es drauf an, wie das alles umgesetzt wird. Was die rechtliche Haltbarkeit betrifft, sind die Mitarbeiter recht skeptisch; Briefe haben sie ja schon öfters bekommen.

STANDARD: Heißt das, dass Sie den Streikbeschluss notfalls wieder aus der Lade holen?

Fuhrmann: Nein, da müsste die Betriebsversammlung neu entscheiden. Aber im grünen Bereich sind wir noch lange nicht. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 03.03.2005)

Zur Person

Hedwig Fuhrmann, 51, ist seit 1994 Chefin des Zentralbetriebsrats der Bank (damals noch "Z"). Die eingefleischte Gewerkschafterin hat zuletzt die Modernisierung des Sparkassen-KV mitverhandelt. Fuhrmann galt lange als "mächtigste Frau" der Bank.

Das Gespräch führte Renate Graber
  • Das Match in der BA-CA ist geschlagen. Betriebsrätin Hedwig Fuhrmann sieht sich "weder als Verliererin noch als Siegerin".
    foto: der standard/regine hendrich

    Das Match in der BA-CA ist geschlagen. Betriebsrätin Hedwig Fuhrmann sieht sich "weder als Verliererin noch als Siegerin".

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