Inode beschleunigt

6. April 2005, 11:47
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Provider will "schnellstes Breitbandinternet Österreichs" anbieten - Internet-, Telefonie- und TV-Kombiprodukt angekündigt - Kritik an Telekom

Der österreichische Breitband-Internet-Anbieter Inode hat am Mittwoch Bilanz über das Geschäftsjahr 2004 gezogen.

83.000 Kunden

Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben 83.000 Kunden, davon 59.000 Breitbandnutzer, von denen 37.000 entbündelt seien. 2003 nutzen 36.000 Kunden die Angebote von Inode. Der gesamte heimische Breitbandmarkt (nicht entbündelte, entbündelte Leitungen sowie Internet über Kabel) zählte 820.000 User.

Belastung

Diese kräftige Wachstum hat aber die Ertragsseite deutlich belastet. Wie der seit Mitte des Vorjahres amtierende Finanzchef, Wolfgang Haidinger, erklärte, hat sich das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) auf etwas über 400.000 Euro verringert, nach noch 2,5 Mio. Euro im Jahr davor. Schuld daran sei nicht zuletzt ein hoher Preisdruck, ausgelöst durch unterpreisige Angebote der Telekom Austria. Ein Börsegang ist heuer noch kein Thema.

Investitionen

Im Vorjahr hat Inode rund 9,8 Mio. Euro ins Unternehmenswachstum investiert. Die eigene Netz-Infrastruktur habe sich damit im Vergleich zu 2003 mehr als verdoppelt, erklärte Unternehmenschef Michael Gredenberg.

147 Wählämter in 57 Orte

Mittlerweile verfügt Inode über einen österreichweiten, ausfallsicheren Glasfaserring und hat bereits 147 Wählämter in 57 Orten entbündelt. Damit kann das Unternehmen mittlerweile 55 Prozent aller österreichischen Haushalte und der Hälfte der heimischen Unternehmen direkte Telefon- und Internetanschlüsse anbieten – ohne weitere Verträge mit der Telekom Austria.

Lehrlingsprogramm

Zu den 199 im Jahr 2003 bei Inode beschäftigten Mitarbeitern kamen 2004 weitere 93 dazu, die vor allem in den Service- und Supportbereichen für die Kundenbetreuung eingesetzt wurden. Außerdem startete Inode ein Lehrlingsprogramm.

"Probleme im Support sind kein Geheimnis".

2005 will sich Inode weiter als "Qualitätsanbieter" positionieren. Dementsprechend soll der Support verbessert werden. Gredenberg: "Probleme im Support sind kein Geheimnis". Sie entstanden hauptsächlich durch das Wachstum seines Unternehmens.

Kombi

Zusätzlich plant Inode ein Kombiprodukt aus Internet, Telefonie und TV auf den Markt zu bringen.

Zwei neue Angeboten wurden ebenfalls am Mittwoch vorgestellt. Die ersten 1000 Neukunden, die sich in den nächsten Tagen für einen xDSL@home oder einen xDSL@work Breitbandanschluss entscheiden, zahlen keine Einrichtungsgebühr von 79 Euro Euro.

Speed

Für neue und bestehende Privatkunden wurde die Geschwindigkeit im Bereich xDSL@home erhöht. Gredenberg: "Mit einer Geschwindigkeit von bis zu 5 MB/s bieten wir das schnellste Breitbandinternet Österreichs."

xDSL@home 1536/384 kBit/s wird erhöht auf 2048/384 kBit/s
xDSL@home 2048/512 kBit/s wird erhöht auf 3072/512 kBit/s
xDSL@home 3072/512 kBit/s wird erhöht 5120/512 kBit/s

Diese Bandbreitenerhöhungen kommen bei allen bestehenden Kunden automatisch zum Tragen und gelten ab sofort für alle Neukunden.

Damit sich diese Investitionen rechnen können, forderte Gredenberg einmal mehr den Eingriff des Telekom-Regulators im Marktsegement Breitband-Internet. Der Marktbeherrscher Telekom Austria biete ADSL-Verbindungen zum Teil unter den Einkaufspreis an. Ein Breitbandeinsteigerprodukt um 16,58 Euro netto (19,90 Euro brutto) sei für alternative Anbieter "schlicht nicht finanzierbar". "Ein alternativer Betreiber zahlt allein für die Leitungsmiete und die dazugehörigen Services mehr an die Telekom Austria, als diese ihren Kunden für das gesamte Produkt verrechnet", so Gredenberg. Reguliert werden müssten daher nicht nur die Endkundentarife, sondern auch die Internet-Mietleitungsgebühren.

Behinderungen

Darüber hinaus behindere die Telekom Austria die Konkurrenten auch durch unkonstruktive Zusammenarbeit. Entbündelungsanträge oder Störungsmeldungen müssten noch immer und oft mehrmals via Fax eingebracht werden. Die Bearbeitung dauere oft Tage, kritisiert der alternative Internetanbieter.

Kommt es wie erhofft zur Regulierung, will Inode auch 2005 kräftig wachsen. Sein Investitionsprogramm will das Unternehmen in jedem Fall fortsetzen. Starke Zuwächse erhofft sich Inode im Bereich Voice over IP (VoIP), also bei Telefonier-Services via Internetleitung, derzeit hat das Unternehmen hier schon rund 10.000 Kunden.

Abhängig

Wie sich die Profitabilität des Unternehmens entwickeln wird, wird laut Finanzchef Haidinger entscheidend davon abhängen, ob der Regulator am Markt für eine objektivere Preisgestaltung sorgen wird. Einen Börsegang ist 2005, wie schon zuletzt angekündigt, noch kein Thema. Für 2006 schließt Haidinger einen solchen aber weiter nicht aus. (red/APA)

  • Inode CEO Michael Gredenberg
    foto: sum

    Inode CEO Michael Gredenberg

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