"Starke Orte" im Karmeliterviertel

7. März 2005, 10:51
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StudentInnen der TU Wien haben Projekt-Ideen für das Stadtquartier im zweiten Bezirk entwickelt

Wien - Wie auf einem Moorlehrpfad durch das Karmeliterviertel spazieren, um dabei auf Tafeln mehr über die kulturellen Unterschiede im Grätzel zu erfahren - das ist die Idee hinter dem "Verständnispfad", einer von fünf Projekt-Visionen, die StudentInnen der TU Wien für das Viertel im zweiten Wiener Gemeindebezirk entwickelt haben. Ebenso wie ein Strombad am Donaukanal oder die Öffnung von Innenhöfen soll diese Idee eine Diskussion über das Potenzial von bestimmten Orten im Karmeliterviertel anregen. Den Anknüpfungspunkt dafür bildet eine Ausstellung, die noch bis zum 17. März im Amtshaus des zweiten Bezirks zu sehen ist.

Kulturcafé am Karmelitermarkt

Ein Semester lang wurden unter der Anleitung der Architektin und Universitätslektorin Gordana Brandner die Geschichte des Karmeliterviertels analysiert und "starke Orte" ausgewählt, die "durch ihre Atmosphäre und Identität" beeindrucken. Etwa der Karmelitermarkt, das Zentrum des Viertels und einer der ältesten Bauernmärkte Wiens. Um aus einem Ballungszentrum des Lebensmitteleinzelhandels auch einen kulturellen Treffpunkt zu machen, wird angeregt, im unteren Teil des bestehenden Marktamts ein Kulturcafé einzurichten. Dahinter könnte, zumindest in der StudentInnen-Vision, ein neuer urbaner Platz mit Sitzschlangen und Wasserbecken entstehen.

"Durchbrechung und Öffnung"

Zwar wird das Karmeliterviertel oft als Einkaufsviertel bezeichnet. Allerdings floriert das Geschäftsleben vor allem entlang der Taborstraße, dem Karmeliterplatz und hin zum Karmelitermarkt. Viele Geschätslokale stehen leer. Die Vision der StudentInnen knüpft hier an und will die dominante Wohnfunktion der Gebäude mit einer vielfältigen und offenen Nutzung der Erdgeschoßzone durchbrechen. Ziel wäre nicht nur mehr Transparenz, sondern auch eine "Schauseitenumkehr, weg von den engen Seitengassen hin zum großen Innenhof".

Donaukanal Riviera

Die Projekt-Ideen der TU-StudentInnen machen hier indessen noch nicht Halt, sie reichen von der Umfunktionierung von Baulücken in Standorte für Freizeiteinrichtungen bis zur Vision einer "Donaukanal Riviera". Dass nicht die unmittelbare Umsetzbarkeit im Vordergrund stand, liegt auf der Hand. "Es ging darum, neue Bilder zu zeigen", so Projekt-Betreuerin Brandner. Nicht auszuschließen ist, dass mancher Impuls für die weitere Entwicklung des Karmeliterviertels von den Bildern der StudentInnen ausgeht - Feedback ist in jedem Fall gefragt. (kg)

Ausstellung "Starke Orte"
Amtshaus Leopoldstadt
Karmelitergasse 9
1020 Wien
Ausstellung bis 17.3.
Mo-Mi/Fr 8-15 Uhr
Do 8-17.30 Uhr
  • Ein Kulturcafé im bestehenden Marktamt am Karmeliterplatz samt einer neuen Lamellenfassade ist eine Vision des StudentInnen-Projekts "Starke Orte".
    foto: gordana brandner

    Ein Kulturcafé im bestehenden Marktamt am Karmeliterplatz samt einer neuen Lamellenfassade ist eine Vision des StudentInnen-Projekts "Starke Orte".

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