Die besten China-Aktienfonds

22. März 2005, 14:39
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Trotz des rasanten Wirtschaftswachstums in China gehört die Börse Shanghai zu den schlechtesten Performern weltweit - Welche Fonds trotzdem Gewinne erzielen konnten, analysiert e-fundresearch.com

Die langfristigen Aussichten der chinesischen Wirtschaft sind viel versprechend: Während die Chinesen bei einem jährlichen BIP-Wachstum jenseits der 9 Prozent pro Jahr gegen eine Überhitzung einzelner Wirtschaftssektoren ankämpfen, plagen die Europäer schwache Wachstumsraten.

Das Riesenreich im fernen Osten birgt mit seinen 1,3 Mrd. Einwohnen enormes Potenzial und entwickelt sich immer stärker zum Motor der globalen Wirtschaft.

Börse Shenzhen: 68 Prozent Verlust seit 2001

Anleger haben von diesem Boom zuletzt jedoch gar nicht profitiert: Während der MSCI Europe in den letzten 12 Monaten um 12 Prozent zulegen konnte, verloren chinesische A-Shares - gemessen am Shenzhen Composite Index - über 25 Prozent.

Da sich die meisten China-Fonds jedoch nicht an dem Index der Börse Shanghai bzw. Shenzhen - welche seit Mitte 2001 mit einem Verlust von 62 bzw. 68 Prozent zu den schlechtesten Aktienbörsen weltweit zählen - orientieren, ist die Lage für Fondsinvestoren nicht ganz so schlimm.

Auf den Index kommt es an

Denn die für die meisten China-Aktienfonds als Benchmark geltenden Indizes CLSA China World bzw. MSCI Golden Dragon haben einen großen Vorteil: Sie orientieren sich nicht ausschließlich an Aktien von Unternehmen auf dem chinesischen Festland (A-Shares & B-Shares), sondern beinhalten zum überwiegenden Teil Werte aus Hongkong oder sogar Taiwan.

INVESCO GT PRC: Trotz Managerwechsel erfolgreich

Der auf Sicht der letzten fünf Jahre anhand der risikoadjustierten Performance (Sharpe Ratio) erfolgreichste Fonds ist der von Samantha Ho in Hong Kong verwaltete INVESCO GT PRC (siehe Tabelle).

Trotz dem Abgang von Ex-Manager Billy Chan - welcher sich im Sommer 2004 zusammen mit Sam Lau, dem ehemaligen Fondsmanager des Baring Hong Kong China Fund, als Hedgefondsmanager versucht - liegt der Fonds weiterhin klar vor seiner Benchmark MSCI China.

"Dass der breite Markt, etwa in Shanghai, so schlecht abschneidet liegt daran, dass die Indizes so viele schlechte Unternehmen enthalten", kritisiert Ho. China-Indexprodukte sollten Anleger deswegen meiden.

"Aktives Fondsmanagement macht sich gerade in so wenig effizienten Märkten wie China bezahlt", schildert die Fondsmanagerin des INVESCO GT PRC, welcher seit Februar 2000 immerhin 96 Prozent an Outperformance zum MSCI China Index erzielen konnte. Der Fonds gewann kumuliert seit damals 65 Prozent, der Index dagegen verlor 31 Prozent.

Stellung des Aktionärs in China verbesserungsbedürftig

In der Auswahl der einzelnen Aktien - derzeit befinden sich 69 Titel im Portfolio - ist sie sehr selektiv: "Es ist nicht so einfach Qualität am chinesischen Aktienmarkt zu finden", gesteht sie ein.

Gerade die staatlichen Unternehmen haben hier noch großen Nachholbedarf: "Manchmal verstehen Firmen-Manager gar nicht, warum ich bei Unternehmensbesuchen detaillierte Fragen stelle. Die Rolle des Aktionärs muss sich dort einfach erst etablieren".

Denn die Aktienmärkte Chinas seien aufgrund der Notwendigkeit alternativer Möglichkeiten der Kapitalbeschaffung für Staatsunternehmen entstanden, die ihren Finanzbedarf bis dahin ausschließlich mit Krediten von staatlichen Banken abdeckten. "Das bedeutet, dass chinesische Unternehmen Aktionäre oftmals nicht als Eigentümer betrachten, sondern lediglich als weitere Kapitalgeber", so Ho.

Aber die Regierung in Peking lerne schnell dazu: "Die geplanten Neubesetzung des Vorstandes der chinesischen Wertpapieraufsichtsbehörde CSRC ist ein weiterer Schritt zur Stärkung der Börse in China". Denn das Land brauche die Börse um die Abhängigkeit der Wirtschaft vom reformbedürftigen Bankensystem zu verringern.

Konsum als Wachstumsmotor

2005 sollte die chinesische Wirtschaft ihr offizielles Wachstumsziel von 8 Prozent sogar noch leicht übertreffen. Steigende Preise für Nahrungsmittel hätten zuletzt aber vor allem den armen Bauern am Land eine höhere Kaufkraft verliehen.

"Zusammen mit einem weiterhin rasant steigenden Wohlstandsniveau, hilft das vor allem dem lokalen Konsum". Branchen wie Einzelhandel bzw. Reisedienstleister seien deswegen in den nächsten Jahren interessant. Auf der anderen Seite meidet Ho im Fonds exportlastige Sektoren und Aktien aus dem Energiesektor, da hier bereits ein Überangebot bestehe.

Eine Aufwertung des seit 1994 an den US-Dollar gekoppelten Renmimbi erwartet Ho nicht: "Solange die ganze Welt damit rechnen wird es sicher nicht passieren, da die Regierung sonst Gefahr laufe ihr Gesicht zu verlieren".

Weitere Top-Fonds im Überblick

Weitere herausragende Aktienfonds mit Anlageschwerpunkt China sind der HSBC GIF Chinese Equity Fonds von Richard Wong, welcher die zweithöchste Sharpe Ratio aller Portfolios im Zeitraum der letzten 5 Jahre aufweist.

Neben dem Konsumbereich setzt Wong aber stärker auf exportorientierte Werte als Ho: "Wir schätzen den privaten Verbrauch und das Exportwachstum als die maßgeblichen Wachstumstreiber in China ein. Insbesondere das Pro-Kopf-BIP von über 1.000 US-Dollar wird dem privaten Konsum nachhaltig gut tun.

Auch die weiter fortschreitenden Infrastrukturmaßnahmen im Hinblick auf die Olympiade 2008 in Peking stimmen uns positiv, obwohl noch regulatorische Risiken bleiben", so der Manager des mit einer Milliarde Euro größten China-Aktienfonds.

Das breiteste Investmentuniversum hat der anhand der Sharpe Ratio drittplatzierte Baring Hong Kong China Fonds, welcher neben Hong Kong und China auch in Taiwan investieren darf.

Auch hier gab es im letzten Jahr einen Personalwechsel, als der neben Lilian Co als Co-Manager tätige Sam Lau sich selbstständig machte. Als neuer Co-Manager ist seit September 2004 Wilfred Sit für den Fonds tätig.

Sit war zuvor seit 2002 als stellvertretender Manager für Billy Chan bei INVESCO tätig. Der Baring Hong Kong China Fonds weist aufgrund seines kontrollierten Investmentansatzes eine niedrigeres Volatilitätsprofil auf als die Portfolios von INVESCO und HSBC.

Fazit

Fonds-Investoren, die vom langfristigen Wachstumspotential Chinas profitieren wollen, stehen vor keiner einfachen Aufgabe. In der sehr heterogenen Peer-Group China/Greater China stechen jedoch drei Produkte positiv hervor: Der INVESCO GT PRC Fonds schlägt trotz des Weggangs von Ex-Manager Billy Chan seine Benchmark, den MSCI China, weiterhin um Längen.

Der HSBC GIF Chinese Equity Fonds von Richard Wong (Benchmark: CLSA China World) setzt dagegen stärker auf die dynamische Entwicklung auf dem chinesischen Festland und geht dafür auch gerne ein höheres Risiko ein.

Ein eher defensiverer Fonds ist der Baring Hong Kong China von Lilian Co, welcher neben China und Hong Kong auch auf Taiwan setzt. Die herausragenden Outperformancezahlen der letzten Jahre verbindet jedoch alle drei Fonds.

Performancedaten per 24.2.2005 in Euro / Datenquelle: Lipper

LINK: Den gesamten Artikel mit Fondstabelle finden Sie hier.

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