RAU: Falsche Fixierung

9. Mai 2005, 14:29
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So sehr es uns jetzt besser geht als den Deutschen - wir vergleichen uns mit den Falschen

Die Deutschen abgehängt! So titeln die seriösen Salzburger Nachrichten. Die Österreicher sind die besseren Deutschen, sagt das deutsche Manager Magazin. Wirtschaftlich zieht Österreich jetzt davon, beim ehemaligen "großen Bruder" herrscht Misere (soeben: neuer Arbeitslosenrekord) und überhaupt hätten wir einen "pfiffigeren Sozialismus" eingeführt, meint der Chefvolkswirt der Deutschen Bank. Soll wohl heißen, wir haben einen noch halbwegs funktionierenden Sozialstaat, sind aber gleichzeitig in etlichen Nischen gut unterwegs.

Stimmt. Österreichische Unternehmen sind etwa als Investoren und Exporteure in den ex-kommunistischen Staaten besser als deutsche Konkurrenten. Aber so sehr es uns jetzt besser geht als den Deutschen - wir vergleichen uns mit den Falschen. Wir sollten uns nicht an der großen Bundesrepublik messen, die eine andere Struktur (und andere Probleme, siehe Wiedervereinigung) hat als wir. Unsere Messlatte sollten kleinere europäische Länder sein. Da liegen wir z. B. im Vergleich zur Schweiz gut (weil wir der EU beigetreten sind), aber im Vergleich zu den Skandinaviern schon weniger. Die Fixierung auf Deutschland ist historisch verständlich, aber sie ist überholt. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2.3.2005)

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