Sound of Music

2. März 2005, 20:27
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Es war gestern. Wir saßen auf Retrosofas und blätterten in Zeitungen auf Retrotischen. Und irgendwann ...

Es war gestern. Wir saßen auf Retrosofas und blätterten in Zeitungen auf Retrotischen. Und irgendwann waren wir dann bei "The Sound of Music" angekommen.

Als wir uns daran erfreuten, wie Kulturredakteure ihre Qualen zu beschreiben versuchten, während ein paar Seiten weiter die Societyschreiber huldigend den Kniefall vor dem Inventar des Planeten Seitenblicke übten, fragte A., wer von uns "The Sound of Music" eigentlich gesehen habe. Oder die genaue Handlung des Filmes (jetzt wohl auch des Musicals) kenne.

Zuckersüßes Grauen

Ich passte. So wie alle anderen auch: Keiner hatte den Film gesehen. Geschweige denn sehen wollen. Klar: So ungefähr wusste man, was Sound of Music ist. Oder kann. Und verschuldet hat. Oder so. Irgendwie. Zuckerüßes, imageprägendes Grauen – das genügte. Mehr wollte nie wer wissen.

Doch dann kam, was kommen musste. Und später wusste keiner mehr, wer die Idee gehabt hatte: Das phil, sagte jemand, habe sich doch sowohl in Sachen Musik als auch in Filmfragen der Volksbildung verschrieben habe. Wäre es da nicht eigentlich logisch, heilige Pflicht und im Dienste der Aufklärung, wenn ...

Förster, Sisis, Seen

S., der phil-Wirt, wurde blass. Er wusste, dass hier ein Dammbruch bevorstand. Denn wer "Sound of Music" bringt, dürfe bei "1. April 2000", und "Mariandl" und den unweigerlich folgenden Förstern, Sisis und Salzkammergutseen nicht kneifen.

S. hauchte, er habe er sich das eigentlich nicht so vorgestellt, als er verraten hatte, er überlege, hin und wieder Filme an irgendeine phil-Wand zu werfen – aber wenn die Faszination des Grauens wirklich so groß sei, müsse er sich wohl etwas überlegen. Das könne dauern. Lange. Sehr lange. In der Zwischenzeit könnten wir ja ins Musical gehen. Aber wehe uns, wenn wir danach bei ihm "Edelweiß, Edelweiß" zu summen begännen.
  • Von Montag bis Freitag täglich eine Stadtgeschichte
von Thomas Rottenberg

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"Wiener Stadtgeschichten" mit Illustrationen von Andrea Satrapa-Binder, Echomedia Verlag Ges.m.b.H., ISBN 3-901761-29-2, 14,90 Euro.

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