Ehrung für Computerpionier Heinz Zemanek zum 85. Geburtstag

14. März 2005, 12:11
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Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse - Mit "Mailüfterl" zu Weltruhm

Exakt zwei Monate nach seinem 85. Geburtstag am 1. Jänner wurde der österreichische Computerpionier Heinz Zemanek am Dienstag in Wien vom Österreichischen Verband für Elektrotechnik und der Oesterreichischen Computer Gesellschaft (OCG) mit einem Festakt und von der Republik mit einer offiziellen Auszeichnung geehrt. Vizekanzler Hubert Gorbach (F) überreichte dem Entwickler eines der ersten vollständig transistorisierten Computer in den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, dem so genannten "Mailüfterl" das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse. An der Feier nahmen u.a. auch der Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn und Siemens-Chef Albert Hochleitner teil.

"Mailüfterl"

Der Techniker Zemanek baute an der Technischen Universität (TU) Wien von 1956 bis 1958 das "Mailüfterl". Der Rechner hatte äußerlich nicht viel mit heutigen Computern gemein: Ohne Bildschirm und Tastatur erfolgte die Ein- und Ausgabe über Lochstreifen, die Ausmaße waren mit mehreren Metern Länge und Höhe beträchtlich. 1961, Zemanek war inzwischen habilitiert, übersiedelte die gesamte Gruppe um den Computerpionier zu IBM. Auch das "Mailüfterl" wurde von IBM dem Staat abgekauft und dem Labor, dem Zemanek bis 1976 vorstand, zur Verfügung gestellt. Die Forschergruppe konzentrierte sich auf Programmiersprachen und entwickelte die "Vienna Definition Language", die damals größte Programmiersprache, sowie in weiterer Folge die "Vienna Definition Method" und erlangte damit Weltruf. Seit 1985 ist Zemanek in Pension, hat sich aber nicht zur Ruhe gesetzt und lehrt weiterhin an der TU. Sein "Mailüfterl" steht mittlerweile im Technischen Museum Wien.

"Ein halb illegales Unternehmen eines Hochschul-Assistenten"

Bei einer Pressekonferenz am Dienstag Vormittag erzählte Zemanek über die Entwicklung des "Mailüfterls", des "ersten wirklich durchtransistorisierten Computers auf dem europäischen Festland" - damals "ein halb illegales Unternehmen eines Hochschul-Assistenten". Gleichzeitig philosophierte er über die Grenzen des Computers mit dem Leibniz'schen Mühlengleichnis. Dieser habe gemeint, dass selbst wenn man das Gehirn auf jene Größe bringe, um darin gehen zu können, trotzdem nichts über die Gedanken eines Menschen aussagen könne. Ähnliches gelte für den Computer: Es sei noch keine Möglichkeit gefunden worden, Software auszustellen.

Zemanek ist nach wie vor als Hochschullehrer aktiv und hält mehrstündige Vorlesungen an der TU - obwohl er zugibt, "von modernen Technologien und Abkürzungen nichts zu wissen". Bis zur Jahrhundertwende habe er alle Entwicklungen mitverfolgt: "Das 21. Jahrhundert ist eine Zugabe des lieben Gotts". (APA)

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    foto: standard/cremer
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