Schuppenflechte einfach "abschalten"

7. März 2005, 13:29
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Moderne gentechnisch hergestellte Medikamente helfen auch Patienten mit schwerster Psoriasis

Saalfelden - Die Schuppenflechte kann buchstäblich "abgedreht" werden. Vor allem bei schweren Fällen der Psoriasis haben die modernen Biologicals monoklonale Antikörper oder Fusions-Proteine - eine Revolution gebracht. Durch die Bekämpfung des Tumornekrosefaktors alpha kann man diese Krankheit "abschalten". Dies erklärte am Montagnachmittag der Wiener Immundermatologe Univ.-Prof. Dr. Georg Stingl bei der 38. Wissenschaftlichen Fortbildungswoche der Österreichischen Apothekerkammer in Saalfelden (bis 4. März) in Salzburg.

"Die Psoriasis kann die Haut, die Nägel und die Gelenke betreffen. Etwa zwei Prozent der Bevölkerung leiden daran. Sie ist eine genetisch determinierte Erkrankung", sagte der Experte von der Wiener Universitäts-Hautklinik (AKH).

Im Rahmen der Schuppenflechte kommt es an den befallenen Hautarealen zu einer chronischen Entzündung. Gleichzeitig tritt eine Verhornung dafür noch unreifer Hautzellen ein. Oft bilden sich weißliche Plaques. Typisch sind solche Hautveränderungen an den Gelenken, an den Streckseiten der Gliedmaßen etc. Bestimmte Reize wie Infektionen, Stress und andere Faktoren können akute Schübe auslösen.

Vitamin D3, Cortison-Salben, das Zytostatikum Methotrexat, das Transplantationsmedikament Cyclosporin A (immunsuppressiv) und die Phototherapie (PUVA etc.) waren in den vergangenen Jahrzehnten die hauptsächlichen Therapien. Doch die Erfolge damit sind bei schweren Fällen beschränkt.

Vier Hauptmechanismen werden gehemmt

Die Erforschung der immunologischen Hintergründe der Erkrankung hat dieses Bild in den vergangenen Jahren völlig geändert. Jetzt gibt es gentechnisch hergestellte Proteine und monoklonale Antikörper, welche die vier Hauptmechanismen der Erkrankung hemmen können: Einstrom von aktivierten T-Lymphozyten aus dem Blut in die Haut, wo sie die Entzündung in Gang bringen und Blockade der bei der Psoriasis fehl gesteuerten Immunreaktionen zwischen Antigen-präsentierenden Zellen und T-Lymphozyten.

Hinzu kommt die Strategie, die vermehrt auftretenden Typ 1-T-Lymphozyten zu bremsen. Und schließlich kann man mit dem Tumornekrosefaktor alpha (TNF-alpha) den stärksten Entzündungsfördernden Immunbotenstoff des Körpers hemmen.

Wie weit die Entwicklung der Biologica in der Medizin schon gediehen ist, geht aus der Vielzahl dieser Medikamente hervor, die bei schwerster Psoriasis erfolgreich eingesetzt werden können. Sie entfalten ihren Effekt an den Hauptpunkten der Krankheitsentstehung und helfen zum Beispiel auch Kranken, bei denen das chronische Leiden auch die Gelenke in einer speziellen "Rheuma"-Form angreift. (APA)

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    Die Ausprägung der Schuppenflechte variiert stark: Von einzelnen kleinen Herden bis zur Ausdehnung über die gesamte Haut.

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