Graz: Rektorat will zurückgetretenen Vizerektor wieder "ins Boot holen"

18. März 2005, 16:32
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Vizerektor für den klinischen Bereich Tscheliessnigg schließt Rückkehr nicht mehr aus - Chaos durch Streit um Finanzen ausgelöst

Graz - An der Grazer Medizinischen Universität ist das Rektorat nach dem Rücktritt des bisherigen Vizerektors für den klinischen Bereich bemüht, Vizerektor Karlheinz Tscheliessnigg wieder "ins Boot" zu holen. "Die ehemalige Harmonie im Rektorat muss wieder zum Klingen gebracht werden", wünschte sich auch Unirats-Vorsitzender Franz Marhold. Dazu bedürfe es einer Grundvoraussetzung, nämlich der Neuformulierung der Geschäftsordnung des Rektorats, die die Kompetenzen genau regelt, so Tscheliessnigg, der eine Rückkehr nun nicht mehr grundsätzlich" ausschließt.

"Es ist einfach so gewesen, dass wir immer weniger das tun konnten, wofür wir da waren", schildert Tscheliessnigg, der am Montagabend seinen Abgang bekannt gegeben hat, die Situation im Rektorat vor seinem Rücktritt. Vom Universitätsrat würde seine Demission übrigens nicht anerkannt. "Wir haben uns ständig zurückgehalten, aber einmal ist die Schmerzgrenze doch überschritten", so der Chirurg.

Auslöser: Streit über Finanzierung von Journaldiensten

Die Frage der Finanzierung der Journaldienste (Dienste in der Nacht und an Wochenenden. Anm.) im Klinikum habe dann das Fass zum Überlaufen gebracht. Innerhalb des Rektorates sei der Vorschlag aufgetaucht, dass diese nichts mit Forschung zu tun hätten und die Kosten die Krankenanstaltengesellschaft (KAGes) übernehmen sollte. Bisher hätten sich Uni und die Spitalsgesellschaft die Kosten zu je der Hälfte geteilt.

"Bei dieser plötzlichen Idee, eine Million Euro von den Journaldiensten wegzunehmen, musste ich mich einfach querlegen", erklärt der Mediziner. Was ihn besonders ärgert: "Natürlich müssen wir die Journaldienste und den Dienstbetrieb insgesamt diskutieren, aber man kann nicht, bevor wir überhaupt darüber gesprochen haben, eine Million wegstreichen. Das ist ein Hüftschuss und kein harmonisches Vorgehen", so Tscheliessnigg. "Das kann ich nicht vertreten. Wo Tscheliessnigg drauf steht, muss auch Tscheliessnigg drinnen sein", hielt der Vizerektor fest.

Hätte sich "mehr Augenmaß" gewünscht

In einer Phase, in der die Universität gerade den Gesellschaftsvertrag mit der KAGes erarbeitet, habe er sich "mehr Augenmaß" erwartet. "Immerhin hat die KAGes beispielsweise auch beim ZMF (Zentrum für Medizinische Forschung. Anm) kräftig gezahlt, obwohl sie nicht musste", gibt Tscheliessnigg zu bedenken. In seiner Funktion als Vizerektor für den klinischen Bereich ist er federführend am Zustandekommen des Kooperationsvertrages mit der KAGes beteiligt.

Mittlerweile sei er "in einer Flut von Anrufen" gebeten worden, den Rücktritt zu überdenken. "Ich hänge nicht an dem Titel", so der Demissionierte. Im gemeinsamen Gespräch - auch mit den Universitätsräten - habe sich jedoch ein möglicher gemeinsamer Weg abgezeichnet, "der uns alle doch optimistisch stimmt". Grundlage müsse auf alle Fälle eine neue Geschäftsordnung sein. Über dieser werde jetzt "beschleunigt gebrütet". Morgen, Donnerstag, solle ihm der Entwurf vorgelegt werden: "Den werden wir dann natürlich genau durchgehen. Wenn alles in Worte gegossen ist, ist es auch nicht mehr grundsätzlich ausgeschlossen, dass das Ganze einen erfolgreichen Abschluss finden könnte", so Tscheliessnigg. (APA)

  • Noch ist nicht klar, ob Vizerektor Tscheliessnigg nun bleibt oder geht.
    foto: epa/ciro fusco

    Noch ist nicht klar, ob Vizerektor Tscheliessnigg nun bleibt oder geht.

  •    Der Vizerektor für den klinischen Bereich, Karlheinz Tscheliessnigg.
    foto: meduni graz

    Der Vizerektor für den klinischen Bereich, Karlheinz Tscheliessnigg.

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