Industrie warnt vor Kyoto-Verschärfung

8. März 2005, 09:36
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Die Industrie warnt vor "politischen Schnellschüssen" bei der Reduzierung der Treibhausgase - Anzusetzen sei bei Hausbrand und Verkehr als Hauptverursacher

Wien - Zum "hot job" Nummer eins entwickeln sich die Vorbereitungen der Klimastrategie, in der die Maßnahmen zur Erreichung der Kyoto-Verpflichtung festgeschrieben werden.

Ohne zeitgerechte Einbindung aller relevanten Wirtschaftskreise könne keine tragfähige Klimastrategie erarbeitet werden. Politische Schnellschüsse im letzten Augenblick seien kontraproduktiv, sagte der Umwelt- und Energiesprecher der Bundessparte Industrie in der Wirtschaftskammer (WKÖ), Michael Zimmermann, am Montag bei einer Pressekonferenz.

Die Arbeiten müssen bis Juni 2005 abgeschlossen sein. Das Gesprächsangebot an das federführende Lebensministerium sei weiter aufrecht. In Hinblick auf die Gespräche mit dem Ministerium erwarte die Industrie eine faire Beurteilung der Reduktionspotenziale in der Klimastrategie.

Hohe Energieeffizienz

Aufgrund der hohen Energieeffizienz der Industrie könne nicht mit einer weiteren Reduktion gerechnet werden. Einem realen Anstieg der Produktion um 24 Prozent im Zeitraum 1995 bis 2003 stehe eine Steigerung der CO2-Emissionen um lediglich fünf Prozent gegenüber.

Die CO2-Intensität der Industrieproduktion sei in diesem Zeitraum damit um 15 Prozent gesunken, so Zimmermann. Jede Verschärfung der Ziele für die schon sehr effiziente Branche würde weitere Standortnachteile nach sich ziehen.

Die Industrie plädiere dafür, Maßnahmen bei den beiden großen CO2-Verursachern, dem Verkehr und dem Hausbrand, mit einer effizienten Vermeidungsstrategie den Kohlendioxidausstoß in den Griff zu bekommen.

Kyoto-Protokoll in Kraft

Am 16. Februar 2005 ist, wie berichtet, nach langen internationalen Bemühungen das Kyoto-Protokoll zur Reduktion der klimaschädlichen Treibhausgase in Kraft getreten. Damit werden die Reduktionsvorgaben nun auch international verbindlich.

Der tschechische Präsident Václav Klaus hat indessen das Kyoto-Protokoll zum Klimaschutz als "einen der größten Irrtümer der gegenwärtigen Menschheit" kritisiert. Es sei ein "Glück", dass die USA das Abkommen nicht unterzeichnet hätten, sagte das konservative Staatsoberhaupt. Klaus hatte schon früher gesagt, das Protokoll sei ein Beispiel für "Öko-Fundamentalismus". (APA, dpa, (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 01.03.2005)

  • Infografik: Verursacher der Treibhausgas-Emissionen
    grafik: der standard

    Infografik: Verursacher der Treibhausgas-Emissionen

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