Evaluierung der Museen im Einzelnen

1. März 2005, 08:13
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Kurzer Blick auf Albertina, Kunst- und Naturhistorisches Museum, MAK, Museum Moderner Kunst, Österreichische Galerie und Techniches Museum

Albertina

Sponsoring hat überragende Bedeutung

Die Albertina verfügt über ein unverwechselbares Profil: Sie ist eines der bedeutendsten Museen der grafischen Künste. Die Zielsetzungen und Aufgabenbereiche stehen nur zum Teil im Einklang mit dem Image des Hauses. Die Kooperationen sind, was die Ausstellungstätigkeit angeht, im Vergleich außergewöhnlich erfolgreich. Die nicht unmittelbar ausstellungsbezogenen wissenschaftlichen Aktivitäten werden sichtbar vernachlässigt. Die Gründung der Abteilung Fotografie gehört zu den Erfolgen der jüngeren Sammlungspolitik. Die Ankaufpolitik ist äußerst konservativ und lässt keine klaren Strategien erkennen. Das Sponsoring hat eine überragende Bedeutung. Es ist unumgänglich, Konzepte zu entwickeln, die das Image der Albertina als wissenschaftlich seriöses Kompetenzzentrum für Kunst auf Papier in der Fachwelt stärken.

Kunsthistorisches

Mangelnde Depots, drückende Raumnot

Das KHM hat eine Leitbildfunktion in der internationalen Museumslandschaft. Das Prestige ist exzeptionell hoch. Vorbildliche Unterstützung von nationalen und internationalen Ausstellungen und wissenschaftlichen Kooperationen. Die Vielfalt der Ausstellungsaktivitäten des Hauses sollte nicht durch Projekte überlagert werden, die den Kernthemen der Sammlungen eher fern stehen. Das KHM betreibt eine planmäßige Erweiterung des Sammlungsbestandes laut Aufgabenkatalog in der Museumsordnung (Ausnahme Gemäldegalerie). Wünschenswert wären zusätzliche budgetäre Vorkehrungen für die Ergänzung des Bestandes. Unzureichende Depotflächen, drückende Raumnot. Trotz hohen Eigendeckungsgrades (43,3 Prozent 2003) sind steigende Kosten nur mehr durch eine Anhebung der Subvention bewältigbar.

MAK

Lob für Präsentation, Ankäufe ohne Plan

Das MAK zählt zu den fortschrittlichsten und avantgardistischsten österreichischen Museen mit internationaler Bedeutung. Es hebt sich von den herkömmlichen Kunstgewerbemuseen ab, die Präsentation der Exponate in Form von Installationen und Performances entspricht den Erwartungen des Publikums. Positiv wird die Präsentation der Sammlungen nach Entwürfen zeitgenössischer Künstler bezeichnet. Die Sammlung "Gegenwartskunst" bildet ein wichtiges Gegengewicht zu den traditionellen Sammlungen. Kooperationen gibt es nur mit einem eingeschränkten Künstlerkreis. Der Ankaufplan ist von Zufälligkeit gekennzeichnet. Die Basisabgeltung entspricht vergleichbaren Museen; eine Anhebung ist künftig notwendig. Die Architektur- und Objektausstellung im Obergeschoß ist der schwächste Teil der Präsentation.

Museum Moderner Kunst

Zu starke Fokussierung auf Schwerpunkte

Das Mumok ist Motor und Maßstab der österreichischen Gegenwartskunst. Eine Verstärkung der internationalen Kooperationen ist erforderlich. Die räumlichen Rahmenbedingungen sind nicht optimal. Eine Adaption der Ausstellungsräume wäre erforderlich. Das Arbeitsfeld wird durch andere Bundesmuseen beeinträchtigt. Eine überschneidende Ausstellungspolitik durch MAK und KHM behindert die internationale Ausstrahlungskraft. Das Besucherinteresse wird durch eine zu starke Fokussierung auf spezielle Schwerpunkte (Aktionismus, Fluxus und Pop-Art) zu stark eingeschränkt, Bereiche mit hohem Besucherinteresse werden ausgeklammert. Das Potenzial der Sammlung wird nicht ausgeschöpft. Die Vermittlungsarbeit ist auf hohem Standard. Forschungsschwerpunkte und Ausstellungsprojekte sind vorbildlich.

Naturhistorisches

Unklare Ankaufpolitik, Konflikte im Haus

Das Naturhistorische Museum ist durch eine außergewöhnliche Sammlungsvielfalt charakterisiert. Das historische Ambiente der Schauräume ist ein besonderes Kulturgut. Das NHM hat einen geringen Bekanntheitsgrad bei den Touristen. Es gibt keine Möglichkeit von großen Ausstellungen; deshalb keine Profilierungsmöglichkeit in der Öffentlichkeit; eine große Ausstellungsfläche ist dringend erforderlich. Es gibt keine festgelegten Sammlungsrichtlinien. Es herrschen eine unklare Ankaufpolitik und Interessenkonflikte zwischen Direktion und Abteilungen. Die Publikationen sind von hoher Qualität. Eine langfristige Planung im Ausstellungsbereich ist notwendig. Die pädagogischen Programme sind hervorragend. Die Möglichkeiten der Vollrechtsfähigkeit wurden noch nicht in ausreichendem Maße genutzt.

Österreichische Galerie

Geringe Ankaufressourcen, fehlende Ziele

Ein Ausbau der Stellung der Österreichischen Galerie in Mitteleuropa ist notwendig. Es gibt nur sporadische Kontakte mit anderen nationalen Museen. Die Ressourcen für Neuerwerbungen sind äußerst gering. Es gibt wenig systematische Forschungsarbeit über die ständigen Sammlungen. Die ÖG hat ein wirkungsvolles Marketingkonzept. Einer erfolgreichen nationalen steht eine eher sporadische internationale Berichterstattung entgegen. Der Anteil der öffentlichen Hand am Gesamtbudget (rund 50 Prozent) ist relativ gering. Die Eintrittspreise liegen im oberen Mittelfeld, sind aber international angemessen. Es gibt eine teilweise Überschneidung von Sammlungsgebieten mit anderen Museen (Leopold Museum, Mumok). Eine Klarheit der künstlerischen Ziele fehlt, eine Verbesserung der strategischen Planung ist notwendig.

Technisches Museum

Konzeptorientierte Sammlungstätigkeit

Die langjährige Schließung des Technischen Museums in den 90er-Jahren hat die nationalen und internationalen Beziehungen weit gehend zerstört; diese müssen wieder neu aufgebaut werden. Das Ziel, eines der drei wichtigsten Technikmuseen in Europa zu werden, scheint erreichbar, ist aber mit einer finanziellen Belastung verbunden. Die Sammlungstätigkeit erfolgt konzeptorientiert. Die Basisdokumentation aller Museumsobjekte ist Schwerpunkt der Aktivitäten, davon ausgehend werden die Sammlungen erschlossen. Dieses Konzept ist überzeugend. Obwohl die Ausstellungen international ausgerichtet sind, ist der Touristenanteil sehr gering. Empfohlen werden eine Zielgruppenanalyse und Qualitätssicherungsmaßnahmen. Das museumspädagogische Angebot ist breit gefächert. Die Sponsoringaktivitäten sind beispielgebend. (DER STANDARD, Printausgabe, 01.03.2005)

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