"Das Gesetz war ein richtiger Schritt"

1. März 2005, 08:21
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Bildungsministerin Elisabeth Gehrer ließ die Bundesmuseen evaluieren – und ist, wie erwartet, sehr zufrieden mit dem Ergebnis

Die Häuser seien sehr gut beurteilt worden, die Autonomie habe sich bewährt. Die Opposition hingegen spricht von "Mummenschanz".


Wien – Knapp 100.000 Euro hat die Evaluierung der Bundesmuseen, deren Ergebnisse Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (ÖVP) am Montag präsentierte, gekostet. Gelesen werden dürfen die Einzelberichte aber nicht: Das Ministerium veröffentlichte bloß ein Heft mit 48 Seiten, das Wolfgang Zinggl, Kultursprecher der Grünen, als "Werbebroschüre" bezeichnete: Die Studie sei ein "Mummenschanz".

Es wurde auch nicht bekannt gegeben, welche Experten mit der Analyse der Museen beauftragt worden waren. Jedes Museum durfte drei Fachleute nennen; das Ministerium wählte einen aus. Dass die Prüfung durch internationale Kollegen der Museumsdirektoren möglicherweise "affirmativ" ausgefallen sein könnte, stellte Bernhard Graf aus Berlin, Leiter des Evaluierungsteams, in Abrede. Einzig die Albertina wurde – siehe Zusammenfassungen unten – überraschend heftig kritisiert. Die Museen seien einem "international üblichen Peer- Review-Verfahren" unterzogen worden, so Graf. Überprüft wurden jeweils Bedeutung und Bekanntheitsgrad, die Umsetzung des Bildungsauftrages, die wissenschaftliche Forschungsarbeit und inhaltliche Positionierung.

Gehrer: "Das Ergebnis der Evaluierung zeigt, dass die Entscheidung, die Museen in die Vollrechtsfähigkeit zu führen, richtig war." Die Häuser hätten sich "sehr positiv entwickelt", auch wenn es "Hausaufgaben" gebe: Die Empfehlungen seien von den Direktoren zu prüfen und in ihre Arbeitspläne aufzunehmen.

Da mehrere Experten – entsprechend einer Forderung der Museumsleiter – für eine Erhöhung der Basisabgeltung und einen Budgettopf für Notfälle plädieren, will Gehrer eine betriebswirtschaftliche Studie in Auftrag geben. Sie soll noch heuer vorliegen. Es sei wichtig, die Häuser einzeln zu bewerten, denn "wenn es einmal möglich sein sollte, mehr Geld zu bekommen, wird ein Gerangel losgehen". Frühestmöglicher Zeitpunkt für eine Anhebung ist das Jahr 2007. Auch die Frage der Versicherung von Kunstwerken bzw. die Geltung der Staatshaftung sei zu überprüfen.

Ergänzt wurden die Expertenbeurteilungen durch zwei Umfragen. Das Kunsthistorische Museum kennen 95 Prozent der Bevölkerung, das Naturhistorische 90 Prozent. Es folgen das Technische Museum (84 Prozent), die 2003 wiedereröffnete Albertina (69 Prozent) und das Heeresgeschichtliche Museum (68 Prozent). Das Museumsquartier landet mit einem Bekanntheitsgrad von 46 Prozent auf dem vorletzten Platz. 78 Prozent waren schon einmal im Naturhistorischen Museum, 71 Prozent im Kunsthistorischen. Im MAK waren 32 Prozent, im Museum Moderner Kunst 26 Prozent, im Theatermuseum gar nur 23 Prozent der Bevölkerung. Eine Sonderschau ist für 58 Prozent der Anlass, ins Museum zu gehen, die Dauerausstellung motiviert nur fünf Prozent. 38 Prozent der Bevölkerung bekannten ein, letztes Jahr nie im Museum gewesen zu sein.

An Kernfragen vorbei

Laut Gehrer sei im "Regierungsprogramm 2002 festgehalten, dass eine Studie zur Entwicklung der Bundesmuseen durchgeführt" werde. Was nicht stimmt: Im Regierungsabkommen vom Februar 2003 war eine "Gesamtstudie zur Museumslandschaft" angekündigt worden. SPÖ-Pressesprecherin Christine Muttonen kann eine solch umfassende aber nicht erkennen: "Die Evaluierung geht an den Kernfragen völlig vorbei." An "brennenden Fragen", etwa Überschneidungen zwischen den Museen, sei "elegant vorbeiuntersucht worden". (DER STANDARD, Printausgabe, 01.03.2005)

Von Thomas Trenkler
  • Pressekonferenz von Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (von hinten) als Direktoriumssitzung: Wilfried Seipel vom KHM (mit
geschlossenen Augen) und ganz hinten Klaus Albrecht Schröder von der Albertina (mit Blick zur Decke).
    foto: standard/cremer

    Pressekonferenz von Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (von hinten) als Direktoriumssitzung: Wilfried Seipel vom KHM (mit geschlossenen Augen) und ganz hinten Klaus Albrecht Schröder von der Albertina (mit Blick zur Decke).

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