Viva zieht nach Berlin - 210 Arbeitsplätze weg

3. März 2005, 10:58
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120 feste Mitarbeiter werden gekündigt, Betriebsrat fürchtet massiveren Stellenabbau

Der defizitäre Musiksender Viva zieht nach der Übernahme durch den MTV-Betreiber Viacom nur zum Teil von Köln nach Berlin um. Dabei gehen 210 Arbeitsplätze verloren. Der Musiksender selbst werde zu MTV nach Berlin ziehen, das Unterhaltungsgeschäft von Viva Media, zu dem unter anderem die Produktionsgesellschaft Brainpool gehört, werde aber in Köln bleiben, teilte Viva am Montag mit.

120 feste Viva-Mitarbeiter werden gekündigt, zudem würden die Verträge von rund 90 befristeten Mitarbeitern nicht verlängert, sagte die künftige Fernsehchefin von Viva und MTV, Christine Mühlemann. Von insgesamt 600 Mitarbeitern blieben rund 300 bis 350 am Rhein, in Berlin seien künftig 115 fest Angestellte beschäftigt.

Viva-Betriebsrat: "270 Leute verlieren Job"

Der Betriebsrat des Musiksenders Viva befürchtet einen weit massiveren Stellenabbau als bisher bekannt. "Von 290 Leuten verlieren 270 ihren Job", sagte Betriebsrat Thomas Diekmann am Dienstag in Köln. Die zuvor von MTV-Geschäftsführerin Catherine Mühlemann vorgelegten Zahlen zu geplanten Kündigungen sind seiner Meinung nach nicht korrekt. "Die genannten 600 Stellen umfassen auch die Fernsehproduktionsfirma Brainpool mit 300 Mitarbeiten. Bei Viva allein sind derzeit 290 Beschäftigte."

Viva Plus und Brainpool bleiben in Köln

Der zweite Musikkanal des Senders, Viva Plus, sowie die zu Viva gehörende Produktionsgesellschaft Brainpool würden ihren Sitz in Köln behalten. Zudem würden zwei neue MTV-Abteilungen am bisherigen Viva-Sitz angesiedelt, versprach das Unternehmen. Viva wie auch der bisherige Konkurrent MTV würden weiterhin von Köln aus senden und dort einzelne Formate produzieren.

Das Land Nordrhein-Westfalen zog nach dem Kompromiss in der Standortfrage seine Drohung zurück, Viva die Sendelizenz zu entziehen, falls das Unternehmen nach Berlin umziehen sollte. "Dieses Thema ist jetzt vom Tisch," sagte die für Medien zuständige Staatssekretärin Miriam Meckel Reuters. "Wir können mit dem in langen Gesprächen mit Viacom gefundenem Kompromiss gut leben. Die Musik geht nach Berlin, das Entertainment und der größte Teil der Mitarbeiter bleiben in Köln." Viva habe saniert werden müssen, Veränderungen seien daher unumgänglich gewesen.

Programmänderungen

Mühlemann kündigte an umfangreiche Programmänderungen bei MTV und Viva an. "Wir wollen, dass sich die Veränderungen schon im April deutlich im Programm niederschlagen," sagte sie. Vier Musikprogramme in Deutschland seien auf Dauer nicht überlebensfähig, daher würden sich die Formate von Viva und MTV zunehmend spezialisieren. Mühlemann leitet bisher das Fernsehgeschäft von MTV und übernimmt diese Aufgabe vom 1. März an auch bei Viva. Sie rückt damit in den Viva-Vorstand ein.

Viacom betreibt in Europa mit dem Sender MTV den bisher schärfsten Wettbewerber von Viva. Der US-Konzern, dem 98 Prozent der Viva-Anteile gehören, will die übrigen Minderheitsaktionäre zwangsweise abfinden und die Viva Media AG vom Börsenzettel nehmen. (APA/Reuters)

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