"Das war nicht unverdient"

28. Februar 2005, 15:40
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Kronsteiner: "Elfer war Schlüsselszene" - Nach Sieg in Bilbao wird bei der Austria von Großem geträumt, am 10. März kommt Real Saragossa

Bilbao/Wien - Das gefürchtete Estadio San Mames, in dem im Europacup bisher nur der FC Liverpool und Ferencvaros Budapest in den 80er bzw. 70er Jahren gewonnen hatten, wurde am Sonntag im UEFA-Cup für Austria Magna nicht zur Fußball-Grabstätte, sondern zur internationalen Bühne eines Triumphes mit der Begleitmusik "Adios Athletic, vamos a Zaragoza!" Im Achtelfinale kommt es in der ersten März-Hälfte nun zu einem Wiedersehen mit dem Klub von Real Saragossa, den die Wiener in der heurigen Gruppen-Phase zu Hause 1:0 besiegten.

"Klar lecken wir nun ein bisschen Blut"

Die Veilchen waren im Herbst ausgezogen, um eben diese 2004/05 eingeführte Gruppe zu erreichen. Jetzt blühen sie vielleicht in der Runde letzten 16 weiter auf. "Klar lecken wir nun ein bisschen Blut. Wenn man in Bilbao gewinnt, hat man gegen jeden Gegner seine Möglichkeiten", meint Günter Kronsteiner, der während der aufregenden 90 Minuten stets Ruhe bewahrt hatte und letztlich von dem Resultat "eigentlich nicht überrascht" gewesen war. Als Schlüsselszene bewertete der Sportmanager, und nicht nur er, den Handelfer, der den Hausherren die Führung gebracht hatte.

"Es ging ein Ruck durch die Mannschaft, die Spieler fühlten sich nicht fair behandelt und wollten es danach allen zeigen", erzählte der Steirer, der das Vergehen von Ernst Dopsel außerhalb des Strafraums gesehen hatte. "Ich glaube, es war nicht im 16er, es war keine Absicht, der Ball wurde mir an die Hand geschossen", sagte der Kapitän zur umstrittenen Szene. Man habe auf das 0:1 reagiert und die klar besseren Chancen gehabt. "Da hat man gesehen, was in uns steckt, auch ein 5:1 wäre möglich gewesen. Das 2:1 war nicht unverdient."

Bestätigte Aussage

Kronsteiner wollte aus seiner Mannschaft namentlich niemanden herausheben, nannte aber doch das Abwehr-Duo Afolabi und Antonsson ("Es hat wieder bestätigt, dass es besser ist als das von Real") sowie Matchwinner Sionko und Geheimwaffe Dosunmu. "Libor hat Entscheidendes für uns geleistet, er war mein Wunschspieler", meinte der Sportmanager über den nun fünffachen UEFA-Cup-Torschützen aus Tschechien und über den Nigerianer sagte er: "Der Schachzug ist voll aufgegangen, Tosin hat mit seiner Schnelligkeit immer für Gefahr gesorgt."

Die aus dem Defensiv-Bollwerk lancierten violetten Konter, von denen diesmal einige blendend gelangen, hatten die gegnerische Verteidigung wiederholt vor Probleme gestellt. Die Vierer-Kette der Basken hatte sich schon im Hinspiel in einigen Situationen als unsicher erwiesen. Dass dies auch im San Mames, wo heuer weder Real Madrid noch der FC Barcelona gewonnen und die Hausherren in bisher 17 Pflichtspielen nur ein Mal verloren (1:2 La Coruna/19.9.) hatten, der Fall war, spricht für die Austria.

Nur eine Niederlage in zehn Spielen

Der Torero namens Athletic hatte Austria in seiner gefürchteten Arena "erlegen" wollen, doch diesmal triumphierte der "Stier". Die Austria hat damit von ihren bisherigen zehn UEFA-Cup-Spielen nur eines (0:1 in Dnjepropetrowsk) verloren, spätestens seit Sonntag hat sie sich - nicht nur in Spanien - Fußball-Respekt verschaffen. "Österreich ist bisher belächelt worden, weil unser Land nur in Verbindung mit Alpinski bekannt war", sagte Kronsteiner mit Genugtuung nach dem "besten Saisonspiel" seiner Mannschaft.

Nach dem tollen Auftritt in Bilbao wird Saragossa die Austria sicher ganz ernst nehmen. Dennoch spricht der Steirer von einer "50:50-Chance" und davon, dass alles möglich sei. "Wir brauchen wieder zwei solche Tage, um es zu schaffen", betont Kronsteiner, der trotzdem am nationalen Titel als oberstes Ziel festhält, weil "wir wollen nächste Saison in der Champions League spielen". Die Spieler freilich möchten nach dem "Meilenstein" im UEFA-Cup noch mehr. "Saragossa ist in Reichweite", sagt Kiesenebner und Kapitän Dospel träumt schon vom ganz großen Coup: "Alles ist möglich, vielleicht sogar der UEFA-Cup-Sieg."

Beendete Durststrecke

Mit dem Sieg in Bilbao schafften die Wiener den ersten Europacup-Auswärtserfolg in Spanien seit Wacker Innsbruck in der Saison 1970/71. Damals hatten die Tiroler im Cupsieger-Bewerb bei Real Madrid 1:0 gewonnen, schieden allerdings nach einem 0:2 Innsbruck trotzdem noch aus.

Unternehmen Saragossa läuft

Keine 48 Stunden nach dem Triumph in Bilbao läuft bereits das violette Unternehmen Achtelfinale an. Der Karten-Vorverkauf für das Heimspiel gegen Real Saragossa am 10. März im Wiener Happel-Stadion (19.30 Uhr) beginnt am Dienstag und ab sofort wird der nächste Gegner auch genau studiert. Austria-Trainer Lars Söndergaard beobachtet am Mittwoch Real Saragossa in San Sebastian (20 Uhr).

Vor der 26. Runde der Primera Division scheint Saragossa in der Tabelle mit neun Siegen, fünf Remis und elf Niederlagen (Torverhältnis 30:38) sowie 32 Punkten auf dem elften Platz auf. Am Sonntag spielen die Aragonier abermals in der Fremde, der Gegner heißt am Sonntag (17) RCD Mallorca. Für die Partie hat die Austria allerdings noch keinen "Spion" nominiert.

Tickets für das UEFA-Cup-Heimspiel gibt es auf der Austria-Homepage (fk-austria.at), im Get Violett-Fanshop (Praterstraße 59) von Montag bis Freitag (9 bis 18.30 Uhr) und am Samstag (9 bis 15 Uhr) sowie in der Geschäftsstelle im Horr-Stadion werktags (9 bis 12 Uhr) im Sekretariat sowie an der Ostribünen-Stadion-Kasse 13 (12 bis 20 Uhr).(APA)

Presse

El Mundo Deportivo: "Adios nach einer Totalvorführung. Athletic hat sich verabschiedet gegen einen Gegner, der am Sonntag unerreichbar schien, aber morgen wieder in gewohnter, mittelmäßiger Form spielen und von Saragossa eliminiert werden wird."

El Periodico: "Entgegen aller Voraussagen fiel die baskische Mannschaft auseinander, ohne jede Möglichkeit zu einer feurigen und unaufhaltsamen Reaktion, wie sie sie in der Primera Division gegen Osasuna und Betis gezeigt hatte. Austria hat mit Grundlagen-Fußball und dem Instinkt von Sionko zugeschlagen."

El Correo (die baskische Zeitung widmete dem Spiel neun Seiten): "Zwei gravierende Abwehrfehler haben Athletics Traum vom UEFA-Cup zunichte gemacht und die überlegene Austria ins Achtelfinale gehievt. Man hielt Austria für ein gefundenes Fressen, freute sich schon nach der Auslosung über diesen anscheinend schwachen Gegner. Sonntagnacht sollte zum Fußballfest werden, aber es war die schlimmste Nacht der Saison."

El Pais: "Albtraum in San Mames. Man träumte von einem Schützenfest. Die Wunden der unendlichen Reise nach Wien, die Zwistigkeiten zwischen den Klubs, die am Rande des Geschmacklosen waren, die Lust auf sportliche Rache und eine gewisse Geringschätzung von Austria Wien, brachten das Blut von Athletic so weit in Wallung, dass man letztlich auf Fußball spielen und damit auf den UEFA-Cup vergaß. Nicht einmal mit einem sehr zweifelhaften Elfmeter kam Athletic mit der Herausforderung zurecht. Alles was Athletic fehlte, hatte die Austria, die das Spiel stets nach ihren Bedürfnissen gestaltete."

Ultima Hora: "Unheilvoller Abend zerstörte den europäischen Traum Athletic Bilbaos vom zweiten Europacup-Finaleinzug in der Geschichte. Die Basken wurden von einem Gegner geschlagen, der stärker war als erwartet, den Gegner aus dem Effeff kannte, sich in der Defensive als schier unüberwindlich erwies und mit seinem Kontern viel Schaden anrichtete."

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    Noch in der Nacht kamen die EC-Helden - im Bild Goalie Didulica - in Wien-Schwechat an, empfangen von einer euphorisierten Menge.

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    Auch Toni Polster wurde freudigst willkommen geheißen.

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