The Mars Volta: "Frances the Mute"

    4. Oktober 2005, 12:15
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    Neues aus dem Hause Rodriguez-Lopez: Fein gewürzte, heftig aufge­schlagene musikalische Familienaufstellung

    Keine leichte Aufgabe, dem letzten Album "Deloused in the comatorium" noch eines draufzusetzen. Das 2003 veröffentlichte Werk des Herrn Omar A Rodriguez-Lopez plus Anhang alias "The Mars Volta" gleichte thematisch der traumähnlichen Zusammenfassung der letzten gruppentherapeutischen Sitzung: Das Leben im Rückblick, Trauer um nie Geschehenes und Wehmut über Vergangenes, Todesangst. Was kann man danach noch besingen: Wallendes Haar? Kalifornische Sonne?

    Mit ihrem soeben erschienenen Album "Frances the Mute" erklären Mars Volta, dass sie mit ihren Reisen ins Unbewusste noch lange nicht am Ende sind. Aktuelles Therapiethema ist der Selbstmord des einstigen Chef-Elektronikers der Band, Jeremy Ward, kurz vor dem Erscheinen ihres ersten Albums "The Tremulant EP" (2002).

    Auf dem Rücksitz

    Ward war Angestellter einer Autopfändungsfirma. Am Rücksitz eines der eingezogenen Wägen fand er ein Tagebuch, das er las und das ihn nicht losließ. Diese Familiengeschichte eines unbekannten Verschuldeten erklärten Songwriter Omar A Rodriguez-Lopez und Texter Cedric Bixler Zavala zur Grundlage ihres neuen Albums. Des Tagebuchautors Mutter "Frances the Mute" und die übrigen Familienmitglieder erzählen da mit Cedric Bixlers wunderbar gleißender, verzweifelter Stimme ihre - und indirekt Jeremy Wards - Geschichte.

    Anders als "Deloused...", das sich, passend zum komatorischen Thema, kunstsprachlicher Experimente bediente, hält sich "Frances the Mute" an reale Sprachen, genauer gesagt Englisch und Spanisch. Ohne Punktuationen, ohne Absätze wirkt das gleich viel mystischer. Mis lagrimas quiebra el espejo when all the worms come crawlin out of your head telling you don't be afraid when all the worms come crawling out of your head telling you don't be afraid when all...

    Die rezensionell oft genug in der "Prog Rock"-Garage abgestellte Formation beweist mit dem neuen Album, dass sie viel mehr (V)Ersatzteile im Lager hat. Klänge, für die die Welt bisher keine bessere Bezeichnung gefunden hat als "Weltmusik", sind da genauso zu hören wie Balladenhaftes. Diesmal auch wieder mit dabei: Sowohl die "Chili Peppers" Flea und John Frusciante als auch Streicher- und Arrangeurgott sowie "Beck"-Vater Dave Campbell. (mas)

    The Mars Volta: "Frances the Mute"

    br> Label: GSL/ Strummer/ Universal

    Link

    TheMarsVolta.com

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