UNO befürchtet weitere Missbrauchsfälle

28. Februar 2005, 11:35
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Grundsätzliches "Problem" bei allen derzeitigen Einsätzen vermutet - Bestrafung von Soldaten auf UNO-Ebene nicht möglich

Washington - Die Fälle sexuellen Missbrauchs durch UN-Soldaten könnten nach Ansicht weitaus stärker verbreitet sein als bisher angenommen. Neben den bereits aufgedeckten sexuellen Übergriffen in der Demokratischen Republik Kongo seien auch Fälle in Burundi, Liberia, der Elfenbeinküste (Cote d'Ivoire) und jüngst auch in Haiti bekannt geworden worden, teilten die UN am Freitag mit. Man sei darauf vorbereitet, dass es weitere Berichte über solche Vorwürfe geben werde. Es scheine ein Problem bei allen 16 Einsätzen der Vereinten Nationen weltweit zu sein.

So prüfen die Vereinten Nationen derzeit die Anzeige einer Prostituierten in Haiti, die angibt, von drei UN-Blauhelmsoldaten vergewaltigt worden zu sein. Das Ergebnis der Untersuchung ist in etwa zwei Wochen zu erwarten, sagte UN-Sprecher Fred Eckhard am Freitag in New York. Um zu demonstrieren, wie ernst sie solche Anschuldigen nehmen, habe die Organisation zwei der mutmaßlichen Täter, pakistanische Staatsbürger, vom Dienst suspendiert.

Massenvergewaltigungen im Kongo

Der Untergeneralsekretär für die Friedenseinsätze, Jean-Marie Guehenno sagte, er habe die Herkunftsländer der im Falle Kongo betroffenen Staaten zum sofortigen Handeln aufgefordert. "Wenn sie nicht aktiv werden, werden wir ihnen sagen, ihren Einsatz zu beenden." In UN-Kreisen hieß es, bisher hätten Südafrika, Marokko und Frankreich Maßnahmen gegen mutmaßliche Straftäter ergriffen. Vorwürfe sollen auch gegen UN-Soldaten aus Uruguay, Tunesien und Nepal erhoben worden sein. Bei den Vorwürfen im Kongo geht es unter anderem um Soldaten, die Frauen und Mädchen missbraucht haben sollen. Dabei soll es auch zu Massenvergewaltigungen gekommen sein.

Bestrafung von Soldaten nicht möglich

Insgesamt sind weltweit mehr als 60.000 Soldaten im UN-Einsatz, davon fast 11.000 im Kongo. Die UN können zwar ihre zivilen MitarbeiterInnen bestrafen, nicht jedoch UN-Soldaten. Sie kann lediglich das Entsendeland auffordern, einen Soldaten abzuziehen und zu Hause vor Gericht zu stellen. (APA/Reuters)

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