China: Ermittlung des Geschlechts von Ungeborenen soll strafbar werden

28. Februar 2005, 11:30
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Nationaler Volkskongress reagiert auf überwiegende Abtreibung von weiblichen Föten - Ein-Kind-Politik provoziert Frauenmangel

Peking - Wegen des zunehmenden Frauenmangels in China will der Nationale Volkskongress gegen die Abtreibung weiblicher Föten einschreiten. Die Ermittlung des Geschlechts eines ungeborenen Kindes solle zur Straftat erklärt werden, berichtete die staatliche Zeitung "Zhongguo Qingnian Bao" am Sonntag. Zwar ist ÄrztInnen jetzt schon verboten, Eltern das Geschlecht ihres ungeborenen Kindes mitzuteilen. Bisher drohe ÄrztInnen, die gegen das Verbot verstoßen, aber lediglich eine Ordnungsstrafe und keine strafrechtliche Anzeige.

Der Zeitung zufolge hat das Ständige Komitee des Nationalen Volkskongresses eine Gesetzesverschärfung vorbereitet, die der Nationale Volkskongress bei seiner am kommenden Wochenende beginnenden Jahressitzung verabschieden soll. Wie schwer ÄrztInnen künftig bestraft werden können und ob auch die Eltern des Kindes belangt werden sollen, ging aus dem Bericht nicht hervor.

Ein-Kind-Politik

Hintergrund der in China weit verbreiteten selektiven Abtreibung von Mädchen ist die Ein-Kind-Politik. Um das Bevölkerungswachstum einzudämmen, erlauben chinesische Behörden seit den 80er Jahren in der Regel nur noch ein Kind je Ehepaar. In der Hoffnung auf einen Buben töten viele chinesische Eltern neugeborene Mädchen oder nehmen Abtreibungen vor.

Bereits im Mai vergangenen Jahres hatte die chinesische Regierung auf das zunehmende Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern hingewiesen. Auf 100 neugeborene Mädchen kommen 117 Jungen, in ländlichen Gegenden ist die Diskrepanz sogar noch größer. Wenn dieser Trend anhält, könnte es im Jahr 2020 etwa 40 Millionen Männer geben, die keine Frau finden. Dies könnte zu erheblichen sozialen Problemen führen, warnte das Familienministerium vor einem Jahr. (APA/AP)

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