Umfrage: Bleibt Spitzenmedizin leistbar?

1. März 2005, 12:53
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Siebzig Prozent lehnen höhere Kassen­beiträge ab - Vertrauen in Gesundheitssystem ist aber groß

Hohes Vertrauen in das Gesundheitssystem, aber nur geringe Bereitschaft, dafür noch mehr zu bezahlen: Das ist das Bild, das eine aktuelle market-Umfrage zeichnet. Besonders kritisch werden die Verwaltungskosten gesehen.


Linz - Zwei Drittel der Österreicher sind überzeugt, dass das Gesundheitssystem in Österreich verglichen mit anderen Ländern besonders gut ist, ein weiteres Viertel meint, dies wäre zumindest überwiegend der Fall - und zwar unabhängig davon, ob die Befragten alt oder jung, nach eigener Einschätzung eher gesund oder öfters krank oder ob sie privat zusatzversichert sind.

Dieser allgemeinen Zufriedenheit steht allerdings auch eine 56-Prozent-Mehrheit gegenüber, die mehr oder weniger stark davon ausgeht, dass wirkliche spitzenmedizinische Leistungen nur bekommt, wer sie sich auch finanziell leisten kann. Zwei Drittel meinen, dass Patienten mit Privatversicherung eine bessere Behandlung (und nicht nur angenehmere Spitalszimmer) bekommen.

Der STANDARD ließ das market-Institut zu diesem Thema auch zwei Aussagen abfragen:

  • "Es ist wichtig, dass es keine Selbstbehalte bei Routineuntersuchungen gibt und Arztbesuche für die Patienten kostenlos sind" - dafür sind 51 Prozent, besonders die Wähler von Grünen und SPÖ, aber auch Singles.

  • Die Gegenthese: "Es soll durchaus Selbstbehalte für Routineuntersuchungen geben, wenn dadurch Behandlungen von Spitzenmedizinern für alle zugänglich sind" wird von 47 Prozent gestützt - besonders von Wählern der Koalition, aber auch von Privatversicherten. In Mehrpersonenhaushalten wird mehr auf die Verfügbarkeit von Spitzenmedizin geachtet als auf die bisher verhältnismäßig geringen Selbstbehalte.
  • 63 Prozent meinen, dass das Gesundheitssystem von Menschen ausgenutzt wird, die es in Wirklichkeit nicht brauchen. Mehrheitlich (von 70 Prozent) abgelehnt werden höhere Versicherungsbeiträge und Zuschläge für ungesunden Lebenswandel. (DER STANDARD, Printausgabe, 28.02.2005)

    Von Conrad Seidl
    • Woran es im Gesundheitssystem krankt - Teil 1
      grafik: standard

      Woran es im Gesundheitssystem krankt - Teil 1

    • Woran es im Gesundheitssystem krankt - Teil 2
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      Woran es im Gesundheitssystem krankt - Teil 2

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