Die Zahlenspiele der Museumsdirektoren

27. Februar 2005, 18:46
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Der feine Unterschied zwischen "Besuchern" und "Besuchen"

Auch wenn fast jeder Direktor eines Museums oder einer Kunsthalle beschwört, dass es nicht um die Quote gehen dürfe, versucht man doch, mit hohen Besucherzahlen zu glänzen. Weil diese zumindest von der Politik als Gradmesser für Erfolg und damit als Rechtfertigung für die Subventionen herangezogen werden.

Besucherzahlen allein aber sagen nichts aus: Sie werden gerne frisiert. Eine gefinkelte Methode wählte das Historische Museum der Stadt Wien (nun Wien Museum): Es zählte jeden, der neben der Schausammlung auch die Sonderausstellung besuchte, doppelt. Zudem stellte es 1999 eine Homepage ins Internet - und verbuchte auch jeden "virtuellen" als tatsächlichen Besucher. Im Jahr 2001 kam das städtische Museumskonglomerat daher auf erstaunliche 813.243 Besucher: Ein knappes Sechstel (129.739) saß bloß vor dem Bildschirm.

Mit dem Unfug wurde 2002, nach Lautwerden der Kritik, aufgehört. Die Zahl der Besucher fiel auf 258.783 und damit in den Keller. Nach der alten Zählweise wäre man auf 645.083 Besucher gekommen.

Eine fragwürdige Methode wählte auch die Kunsthalle Wien: Wer eine Veranstaltung zum Beispiel des Impulstanz-Festivals besuchte, durfte mit der Eintrittskarte gratis in das städtische Ausstellungshaus - und wurde, selbst wenn er die Gelegenheit nicht wahrnahm, als Besucher gezählt. Zudem bietet die Kunsthalle separate Eintrittskarten für die Ausstellung im Erdgeschoß und im ersten Stock an. Jeder, der ein Kombiticket löst, wird daher als zwei Besucher gezählt.

Wolfgang Kos, der neue Direktor des Wien Museums, bietet nun ebenfalls eigene Tickets für die Sonderausstellung und die Schausammlung beziehungsweise ein Kombiticket an. Allerdings spricht er nicht von "Besuchern", sondern eben von "Besuchen".

Die Albertina hingegen verkauft ein einziges Ticket. Man kann mit diesem die Prunkräume und bis zu drei Ausstellungen sehen. Jeder Besucher wird lediglich einmal gezählt. Auch für das Kunsthaus Graz gibt es nur eine Karte: Sie erlaubt den Besuch der Ausstellungen sowie der inkorporierten, aber administrativ selbstständigen Camera Austria.

Diese Strategie verfolgt einen recht wichtigen Vermittlungsaspekt: Man kommt zum Beispiel wegen Michelangelo - und nimmt nebenbei auch eine sprödere Ausstellung wie Günter Brus mit, die man andernfalls, wenn man extra hätte Eintritt zahlen müssen, wohl kaum besucht hätte.

Wichtiger Indikator

Aber auch bei Einfachzählung der Besucher könnten die Daten nach oben korrigiert sein. Ein wichtiger Indikator ist daher die Summe der Eintrittserlöse. Die ausgegliederten Institutionen sind schließlich angehalten, wirtschaftlich zu agieren. Das heißt: Die Zeiten, in denen die Museen um einen Bettel besucht werden konnten, sind passé. Die Preise bewegen sich im Schnitt zwischen sechs und neun Euro, Schüler zahlen zum Teil erheblich weniger.

Wenn das Museum Moderner Kunst (Eintritt acht Euro, ermäßigt 6,50 Euro, Schüler zwei Euro) pro Besucher 5,36 Euro erlöst, dürfte die Besucherzahl äußerst korrekt sein.

Das Kunsthistorische Museum wird am Nationalfeiertag von Gratisbesuchern gestürmt und verlangt für die Wagenburg oder das Theatermuseum geringe Preise. Der Erlös pro Besucher liegt daher niedriger. Auch das Lentos Linz, die Kunsthalle Graz und das Museum der Moderne in Salzburg (Rupertinum) können mit ihren eher moderaten Eintrittspreisen nicht die Werte des Liechtenstein Museums (zehn Euro) oder des Kunstforums BA-CA (8,70 Euro) erreichen: Sie nehmen pro Besucher rund drei Euro ein, die beiden anderen, ohne Subventionen geführten Häuser hingegen kommen auf 7,52 beziehungsweise 6,10 Euro.

Das Museum für angewandte Kunst, das doch 7,90 beziehungsweise vier Euro Eintritt verlangt, erlöst im Vergleich dürftige 1,36 Euro pro angegebenen Besucher, die etwas preiswertere Kunsthalle Wien kommt auf 1,88 Euro. (trenk/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28. 2. 2005)

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