Sorger wirbt für 10-Stunden-Tag

27. Februar 2005, 18:16
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IV-Präsident will Sozialpartnerschaft "nicht verlassen" - Bei Überstunden-Verlusten "Relation nicht aus dem Auge verlieren"

Wien (APA) - Der Präsident der Industriellenvereinigung (IV), Veit Sorger, hat am Sonntag in der ORF-"Pressestunde" für das gemeinsam mit der Wirtschaftskammer (WK) ausgearbeitete Modell für eine Flexibilisierung der Arbeitszeiten geworben. Die Sozialpartnerschaft wolle man trotz des Alleingangs der Wirtschaft nicht verlassen, sagte Sorger. Er gestand zwar ein, dass seiner Ansicht nach ein großer Teil der bisher bezahlten Überstunden künftig wegfallen soll, man dürfe dabei aber nicht das Verhältnis zur gesamten Lohnsumme aus dem Auge verlieren, warb er um Verständnis.

Bei einem erneuten Arbeitsmarktgipfel wird der Entwurf der Arbeitgeber am Montag Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (V) vorgelegt. Die Kernpunkte fasste Sorger in der "Formel 10-12-60-2" zusammen: Die tägliche Normalarbeitszeit soll demnach von acht auf zehn Stunden angehoben, die tägliche Höchstarbeitszeit mit zwölf Stunden und die wöchentlichen Höchstarbeitszeit mit 60 Stunden verankert werden. Der Durchrechnungszeitraum soll nach IV-Vorstellungen bei zwei Jahren liegen. Die WK gebe sich aber auch mit einem Jahr zufrieden, fügte Sorger hinzu.

"Relation nicht aus dem Auge verlieren"

Für die Arbeitnehmer würde das bedeuten, dass künftig viele (besser bezahlte) Überstunden wegfallen würden. Den Betrag von einer Milliarde Euro bestritt Sorger in diesem Zusammenhang nicht. Man müsse aber die "richtige Realtion" herstellen. Demnach würden alle Überstunden gemeinsam nur 0,9 Prozent der gesamten Lohnsumme ausmachen. Von "Lohnraub" könne deshalb nicht gesprochen werden.

Man müsse auf die veränderte Arbeitswelt reagieren und "Rezepte gegen die Globalisierung" finden, meinte der IV-Chef. Das ausgeabeitete Modell bringe über fünf Jahre ein zusätzliches Wachstum von 0,5 Prozent und 20.000 bis 30.000 zusätzliche Arbeitsplätze. An einen Kaufkraft-Verlust glaubt Sorger nicht. Dass es in Einzelfällen zu starken Einbußen (die Gewerkschaft rechnet mit 1,5 Monatsgehältern) kommen könnte, schloss er nicht aus. Hier müsse man eben entsprechende Lösungen finden. Es bringe aber nichts, wenn man sich gegenseitig "Extremvarianten" vorhalte.

Bei dem Gipfel gehe es darum, gemeinsame Lösungen zu finden. Er sieht sowohl bei der IV als auch bei der WK ein "gutes Verhältnis" zur Gewerkschaft, die allerdings bereits Streiks im Falle einer gesetzlichen Arbeitszeit-Flexibilisierung in Aussicht gestellt hat. Man wolle "nichts gegen die Gewerkschaft" machen, so Sorger dazu. "Das geht auch nicht." Von gegenseitigen Drohungen halte er aber nichts. "Ich drohe auch nicht mit Abwanderung."

Neue Ufer

Fest stehe aber, dass die 35-Stunden-Woche gescheitert sei. "Es geht darum, zu neuen Ufern aufzubrechen." Allfällige Mehrerträge aus der Flexibilisierung sollten zu 25 Prozent wieder an die Mitarbeiter zurückfließen. Ob das in Form von Geld, Weiterbildung oder Mitarbeiterbeteiligung geschehe, sei noch zu diskutieren.

Die Befürchtung, dass Frauen wegen der schlechteren Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu den Flexibilisierungs-Verlierern werden könnten, teilte Sorger nicht. Natürlich müsse die Flexibilisierung mit Begleitmaßnahmen - etwa einem Ausbau des Kinderbetreuungsangebotes - verbunden werden.

  • IV-Präsident Sorger Veit Sorger fasst seine Wünsche mit der "Formel 10-12-60-2" zusammen.
    foto: standard/regine hendrich

    IV-Präsident Sorger Veit Sorger fasst seine Wünsche mit der "Formel 10-12-60-2" zusammen.

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