Papst zeigte sich überraschend am Fenster der Gemelli-Klinik

28. Februar 2005, 20:21
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Experten rechnen mit längerem Spitals­aufenthalt - Vatikansprecher kündigt medizinisches Bulletin am Montag an

Rom - Papst Johannes Paul II. hat sich drei Tage nach seiner Luftröhrenoperation erstmals wieder den Gläubigen gezeigt. Nach dem wöchentlichen Angelus-Gebet erschien er am Sonntag zu Mittag überraschend am Fenster seines Zimmers in der römischen Gemelli-Klinik. Johannes Paul II. machte das Kreuzzeichen und winkte den Menschen vor dem Krankenhaus. Er rief die Gläubigen über Erzbischof Leonardo Sandri auf, für ihn zu beten und bezeichnete sein Leiden als "göttliches Versprechen auf Rettung und Freude". Medizinexperten gehen indes von einem längeren Aufenthalt des Papstes im Spital aus.

Der in seine weiße Amtssoutane gekleidete Papst erschien für etwa zwei Minuten am Fenster der Klinik, flankiert von Kardinal-Staatssekretär Angelo Sodano und seinem persönlichen Sekretär Stanislaw Dziwisz. Der im Rollstuhl sitzende und steif wirkende Pontifex griff sich dabei an den Hals, wo ihm am Donnerstag wegen akuter Atemprobleme ein Luftröhrenschnitt versetzt worden war. Es ist der zweite Krankenhausaufenthalt des Papstes innerhalb eines Monats.

Konnte Angelus-Gebet erstmals seit Amtsantritt nicht selbst sprechen

Erstmals seit seinem Amtsantritt vor 27 Jahren konnte der Papst das Angelus-Gebet nicht selbst sprechen. Selbst nach dem Attentat im Mai 1981 und nach der schweren Darmoperation 1992 sprach er das Gebet auf Band. Bei seinem Klinikaufenthalt Anfang Februar konnte er zumindest noch den Segen selbst erteilen.

In dem vom argentinischen Kurienkardinal Sandri auf dem Petersplatz verlesenen Gebet dankte der Papst für die Gebete auf seinem Leidensweg und die seelische Unterstützung der Gläubigen. "Jede Form von Schmerz ist ein göttliches Versprechen auf Rettung und Freude. Ich möchte, dass diese Hoffnungsbotschaft jeden erreichen würde, der im Körper und im Geist leidet", sagte er. "Ich fühle mich euch nahe. Begleitet mich mit euren Gebeten."

Papst bittet Muttergottes um Hilfe

Der Pontifex bat die Muttergottes um Hilfe, damit er und die anderen Menschen ihre täglichen Pflichten erfüllen können. Zugleich wiederholte er die Worte "Totus tuus" (Ganz dein) und legte damit sein Schicksal in die Hände Mariens. Diese beiden Worte hatte er unmittelbar nach dem Erwachen aus der Operationsnarkose niedergeschrieben.

Nach Angaben von Vatikan-Sprecher Joaquin Navarro Valls wird am morgigen Montag ein ärztliches Bulletin über den Zustand des 84 Jahre alten Kirchenoberhaupts bekannt gegeben. Der römische Medizinprofessor Giancarlo Cianfrone sagte der Zeitung "Corriere della Sera", dass der Papst wohl noch einen Monat lang seine Atemkanüle behalten wird müssen. "Der Klinikaufenthalt wird nicht kurz sein." Parkinson-Patienten mit Herz-Kreislauf-Komplikationen wie Johannes Paul II. müssten mit einer längeren Genesungszeit rechnen. "Niemand kann davon träumen, den Papst jetzt aus dem Krankenhaus zu entlassen."

Obwohl er auf ärztlichen Rat vorerst nicht sprechen soll, machte der Papst bereits am Samstag in seinem Krankenzimmer erste Sprechübungen, berichtete die Zeitung "Il Messagero". Andere Zeitungen berichteten, der Papst müsse in der Klinik streng isoliert werden, um ihn vor Bakterien und Viren zu schützen. Wie für viele alte Menschen wäre eine Lungenentzündung für ihn besonders gefährlich. Deshalb sei das Ärzteteam zurückhaltend mit Prognosen. Selbst Kardinäle und hohe italienische Politiker dürften nicht in das Krankenzimmer.

Australischer Kardinal schließt Rücktritt des Papstes nicht aus

Der australische Kardinal George Pell schloss indes einen Rücktritt des Papstes für den Fall einer Verschlechterung seines Gesundheitszustandes nicht aus. Johannes Paul II. sei "schwer krank", sagte Pell am Sonntag. Nachdem sein Gesundheitszustand schon in den vergangenen Jahren nicht gut gewesen sei, habe er sich jetzt weiter verschlechtert. "Wir wissen nicht, wie die Prognose lautet", sagte er den Gläubigen in einer Messe in Sydney.

Ein Freund des Papstes, der polnische Bischof Pawel Ptasznick, äußerte die Hoffnung, dass der sich der Papst diesmal durch einen längeren Aufenthalt die Ruhepause gönne, die er benötige. In den Reigen der Genesungswünsche reihten sich am Wochenende auch der Lateinische Patriach von Jerusalem, Michel Sabbah, sowie der aserbaidschanische Präsident Ilham Alijew ein. Alijew wurde am Samstag von Sodano im Vatikan empfangen. (APA/Reuters/dpa)

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    Überraschend präsentierte sich Johannes Paul II. seinen Gläubigen am Fenster der Gemelli-Klinik.

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