Russland liefert trotz US-Kritik Kernbrennstoff an den Iran

28. Februar 2005, 16:15
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Russisch-iranisches Atomabkommen unterzeichnet - IAEO will "Verwendung und Verbleib der Brennstoffe" genau beobachten

Teheran - Russland und der Iran haben am Sonntag ein Abkommen über die Lieferung von Kernbrennstoffen an das iranische Atomkraftwerk Bushehr unterzeichnet und sich damit erheblichen Einwänden der USA widersetzt. Zuvor waren letzte Differenzen in zwei Gesprächsrunden ausgeräumt worden. Teheran wollte, dass Russland die ersten Brennstäbe für das Atomkraftwerk Bushehr drei Monate nach Vertragsunterzeichnung liefert. Russland hält das für zu früh. Der Iran war auch nicht einverstanden mit dem von Moskau geforderten Preis für die Rücknahme und Lagerung von Atommüll.

Russische Experten würden schon bald zu dem Reaktor im Süden Irans entsendet, um das Atomkraftwerk auszurüsten, sagte der Chef der russischen Atomenergiebehörde, Alexander Rumjanzew im iranischen Fernsehen. Die ersten Lieferungen von uran-angereichterten Brennstoffen lägen in Sibirien bereit. Bis Mitte des kommenden Jahres sollen sie an den Iran geliefert werden. Nach russischen Angaben wird der erste 1000-Megawatt-Reaktor nicht vor Ende 2006 fertig gestellt sein. Der Iran fordert, dass der Bau in einem Jahr, Ende Februar 2006, vollendet wird. Der ursprüngliche Fertigstellungstermin war 1999.

Drei Teilverträge Teheran

Das am Sonntag unterzeichnete russisch-iranische Abkommen regelt in drei Teilabkommen die Lieferung und die Wiederaufarbeitung von Brennstäben sowie die Rücknahme und Endlagerung von Atommüll. Ursprünglich hätte die Unterzeichnung am Samstag in Teheran erfolgen sollen, wurde aber wegen Differenzen um einen Tag verschoben und nach Bushehr verlegt, wo russische Techniker seit zehn Jahren an der Fertigstellung eines Atomkraftwerks arbeiten. Zur Unterzeichnung war der Chef der russischen Atomenergiebehörde, Alexander Rumjanzew, in den Iran gereist.

Die USA hatten Russland dazu gedrängt, die Vereinbarung mit dem Iran nicht zu schließen. Sie werfen der Islamischen Republik vor, nach Atomwaffen zu streben. Um US-Bedenken entgegen zu kommen, ist in dem Vertrag festgelegt, dass der Iran alle verbrauchten Brennstäbe an Russland zurückgeben muss. Eine Sprecherin der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) sagte, die Inspektoren der Organisation würden "Verwendung und Verbleib der Brennstoffe genau beobachten. Dies sei Bestandteil der Sicherheitsmaßnahmen, um sicherzustellen, dass kein Nuklearmaterial in geheime Waffenproduktionen umgeleitet werde.

Die Regierung in Teheran betont stets, dass ihr Atomprogramm nur der Energiegewinnung dienen solle. Deutschland, Frankreich und Großbritannien bemühen sich seit Monaten, den Iran zur Aufgabe der Uran-Anreicherungen zu bewegen. Angereichertes Uran kann zum Bau von Atomwaffen verwendet werden. (APA/Reuters/dpa)

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