US-Serienmörder nach 30 Jahren gefasst

28. Februar 2005, 22:22
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"BTK-Killer" fesselte, folterte und tötete seine Opfer - Tochter des mutmaßlichen Täters gab entscheidenden Tipp

Wichita - Einer der spektakulärsten Kriminalfälle in den USA ist nach 30-jährigen Ermittlungen wahrscheinlich gelöst. Die Polizei in Wichita (US-Bundesstaat Kansas) gab am Samstag (Ortszeit) die Festnahme eines mutmaßlichen Serienmörders bekannt, der für mindestens zehn Morde zwischen 1974 und 1991 verantwortlich gemacht wird und am Ende über sein eigenes Geltungs- und Mitteilungsbedürfnis stolperte.

Nach Informationen der lokalen Fernsehstation KAKE-TV soll die älteste Tochter des mutmaßlichen Täters der Polizei den entscheidenden Tipp gegeben haben. Eine freiwillig abgegebene Blutprobe der 26-Jährigen solle zudem weitgehend mit der des Mörders übereinstimmen. Die Polizei hat diese Angaben bisher nicht bestätigt.

Verheiratet, zwei Kinder

Bei dem Tatverdächtigen handelt es sich den Angaben zufolge um den 59 Jahre alte Dennis Rader. Der verheiratete Mann und Vater zweier Kinder arbeitete zuletzt als Regierungsangestellter. Darüber hinaus nahm er nach Angaben der "Washington Post" seit 25 Jahren aktiv am Leben in der Lutherischen Kirche teil und war in seiner Gemeinde Präsident des Kirchenrates. Die Kirchengemeinde ist nach den Worten von Pastor Michael Clark in einem Zustand von "Schock und Verwirrtheit". Rader soll nach Angaben des Blattes am Freitagmittag während einer Verkehrskontrolle festgenommen worden sein. Nach Angaben des UN-Nachrichtensenders CNN droht ihm aber nicht die Todesstrafe, weil er seine Taten vor 1994 begangen hat.

Der Mörder nannte sich "BTK" - ein Kürzel für "bind, torture, kill" (fesseln, foltern, töten), das die Art und Weise widerspiegelte, wie der Mann bei seinen Taten vorging. Die meisten Opfer waren Frauen, und alle wurden in ihren eigenen Häusern umgebracht.

Sein Mitteilungsbedürfnis wurde ihm zum Verhängnis

Zum Verhängnis wurde dem Mann, der in Kürze offiziell wegen zehn Morden angeklagt werden soll, anscheinend sein eigenes ausgeprägtes Geltungs- und Mitteilungsbedürfnis. Rader sei so unverfroren gewesen, dass er den Mord an einer nur sechs Türen weiter lebenden Nachbarin per Notrufnummer sogar selbst der Polizei meldete, schreibt die "Washington Post". In einem Brief stellte er die Frage: "Wie viele Menschen muss ich umbringen, bevor ich meinen Namen in die Zeitung oder einige nationale Aufmerksamkeit bekomme?"

Nach fast 25-jährigem Schweigen hatte der mutmaßliche Mörder dann im vergangenen Jahr wieder Botschaften an Medien und die Polizei verschickt - darunter auch einen Brief mit dem Führerschein einer 1986 getöteten 28-Jährigen. Zur Zeit der Mordserie in den siebziger Jahren hatte der als äußerst publicitysüchtig eingestufte "BTK" wiederholt mit Medien und der Polizei in der Region korrespondiert. Seit 1979 ließ der Mörder dann nichts mehr von sich hören - bis zum März vergangenen Jahres, als plötzlich wieder "BTK"-Briefe eintrafen. (APA/dpa)

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