Arbeitszeit-Flexibilisierung: Chemie-Gewerkschaft droht mit Streik

27. Februar 2005, 18:16
4 Postings

Beck: Industriellenvereinigung will eine Milliarde Euro aus den Taschen der Beschäftigten in die Tresore der Aktionäre transferieren

Wien - Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung wollten unter dem Titel Flexibilisierung der Arbeitszeit mehr als 110 Millionen Überstunden nicht mehr bezahlen. Diesen Vorwurf erhob der Vorsitzende der Gewerkschaft der Chemiearbeiter (GdC), Wilhelm Beck, am Samstag in einer Aussendung. IV-Präsident Veit Sorger und WK-Chef Christoph Leitl würde nun ihre "Sozialpartnermaske" fallen lassen. Er drohte mit Arbeitskampf.

WK und IV wollen am Montag bei einem Spitzengespräch mit Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (V) einen bereits fertigen Gesetztestext vorlegen. Inhalt: Die tägliche Normalarbeitszeit soll von acht auf zehn Stunden erhöht werden. Die tägliche Höchstarbeitszeit soll mit zwölf Stunden verankert werden, die wöchentliche mit 60 Stunden. Die Durchrechnungszeit soll mindestens ein Jahr betragen.

Beck zu diesen Plänen: "Es geht nur darum, mehr als eine Milliarde Euro aus den Taschen der Beschäftigten in die in die Tresore der Aktionäre zu transferieren." Wenn die "obersten Vertreter der Wirtschaft" nun eine Änderung des Arbeitszeitgesetzes und der Kollektivverträge fordern, dann würden sie damit "den letzten Rest der noch vorhandenen Sozialpartnerschaft über Bord werfen". Beck kündigte auch einen "allfälligen Arbeitskampf" in den Betrieben an. "Darauf zu hoffen, dass sich Mitarbeiter widerspruchslos eine Reduzierung ihres Einkommens um ein bis zwei Monatslöhne jährlich gefallen lassen, ist mehr als fahrlässig", so Beck. Die Gewerkschaft der Chemiearbeiter, die bereits im Vorjahr bewiesen habe, "dass Streik keine leere Drohung ist", werde in dieser Auseinandersetzung sicher auf der Seite der Betroffenen stehen. (APA)

Share if you care.