Internes DGB-Papier sieht Gewerkschafts-Krise

27. Februar 2005, 16:20
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"Süddeutsche Zeitung": Mitgliederverluste und finanzielle Engpässe

Berlin - Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat laut einem Zeitungsbericht in einem internen Papier eine Krise der Gewerkschaften eingeräumt. In einem Magazinbericht hieß es zudem, der DGB und die CDU strebten eine engere Zusammenarbeit an.

Die "Süddeutsche Zeitung" berichtete am Samstag unter Berufung auf ein ihr vorliegendes internes DGB-Papier, die Krise der Gewerkschaften sei "schärfer als bereits allgemein bekannt". "Die Mitgliederzahlen gehen zurück, kurzfristig drohen finanzielle Engpässe." Auf dem Arbeitsmarkt hätten zunehmend die Arbeitgeber und nicht die Anbieter von Arbeitskraft das Sagen. Der Einfluss von Gewerkschaften auf die Politik schwinde immer mehr. Die Gewerkschaften müssten eine Kehrtwende versuchen.

Das Papier trage den Titel "Turnaround" und sei über Monate von Gewerkschaftern mit Unterstützung eines hochrangigen Mitarbeiters der Unternehmensberatung McKinsey erarbeitet worden, berichtete die Zeitung. Dabei handle es sich nach DGB-Angaben aber um ein persönliches Engagement des Beraters. Geld sei nicht geflossen. Allerdings sei über das Papier nach Gewerkschaftsangaben nie abgestimmt worden. Es sei vielmehr ein Diskussionspapier mit guten Anregungen. Es sei aber in der Analyse "zu schmalbrüstig und verleitet deshalb zu falschen Schlussfolgerungen", zitierte die Zeitung den bayerischen DGB-Vorsitzenden Fritz Schösser.

Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtete in seiner am Montag erscheinenden Ausgabe, bei einem Treffen des CDU-Parteipräsidiums mit der Spitze des DGB hätten CDU-Chefin Angela Merkel und DGB-Chef Michael Sommer vereinbart, bei vier Themen eine gemeinsame Position zu suchen. Konkret gehe es um die EU-Dienstleistungsrichtlinie, die betriebliche Mitbestimmung, die Senkung des Beitrags zur Arbeitslosenversicherung und die Energiepolitik. Der designierte Vorsitzende der Sozialausschüsse, Karl-Josef Laumann, sagte, bei dem Treffen in der vorvergangenen Woche habe "gegenseitiger Respekt" geherrscht, während es früher "teilweise Verachtung" gegeben habe. (APA/Reuters)

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