Kindergeld: Arbeiterkammer ortet Benachteiligung bei Arbeitern

28. Februar 2005, 16:36
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Stärkere Inanspruchnahme bei selbstständigen Männern - SPÖ: Finanzierung überdenken

Wien - Ungerechtigkeiten sieht die Arbeiterkammer bei der Inanspruchnahme des Kindergeldes durch Väter. Während bei Gewerbetreibenden und Selbstständigen jeder dritte Mann das halbe Jahr Kindergeld in Anspruch nehme, sei es bei Arbeitern und Angestellten nur jeder zwangzigste, sagte AK-Experte Christoph Klein im "Ö1-Morgenjournal" am Samstag. Ausschlag gebend dafür sei die Zuverdienst-Grenze.

Steuerberater

Die spezielle Konstruktion des Kindergeldes würde die Arbeitnehmer deutlich benachteiligen, meinte Klein. Selbstständige könnten nämlich bei ihrem Verdienst während des Bezugs des Kinderbetreuungsgeldes variieren. So könnten sie ihre Kunden ersuchen, Zahlungen vor oder nach diesem Väter-Halbjahr zu überweisen. Auch könnten Betriebsausgaben im Unternehmen getätigt werden, die wiederum das zu versteuernde Einkommen in diesem Halbjahr senken. Das sei völlig legal und es gebe sogar Steuerberater, die sich auf solche Beratungen spezialisiert hätten, so Klein. Unselbständige hätten diese Möglichkeiten aber nicht.

Klein forderte daher eine zusätzliche Wahlmöglichkeit, entweder die Zuverdienst-Grenze, so wie derzeit, oder aber die Möglichkeit, sich für Teilzeit zu entscheiden, auch wenn der Verdienst der Teilzeit über der Zuverdienst-Grenze liegt. Denn die Bereitschaft der Väter, zumindest ein halbes Jahr in Karenz zu gehen, sei bei Besser-Verdienenden verstärkt vorhanden. Genau diese Gruppe von Vätern scheitere aber oft an der Zuverdienst-Grenze. Vorstellbar wäre für die Arbeiterkammer auch, die Summe des auf drei Jahre verteilten Kindergeldes in einem kürzeren Zeitraum auszubezahlen.

SPÖ: Finanzierung überdenken

Die Finanzierung des Kindergeldes sollte umgestellt werden. Diese Forderung kam am Samstag von SP-Familiensprecherin Andrea Kuntzl. Selbstständige und Bauern könnten demnach mehr Kindergeld beziehen als unselbständig Beschäftigte, obwohl sie keine Beiträge in den Familienausgleichsfonds (FLAF) einzahlen, so Kuntzl in einer Aussendung. Nachdem der FLAF schwer defizitär sei, sei es nur gerecht, die Finanzierung auf ein System, in das alle Profitierenden, also auch die Bauern und Selbstständigen einzahlen, umzustellen, forderte sie.

Die SPÖ wolle auch den Zugang zum Kindergeld und damit auch für Betreuungszeit für unselbstständig Väter erleichtern, sagte Kuntzl. Das SP-Modell sehe eine Flexibilisierung des Kindergeldes vor, und dass die Bezugsdauer verkürzt werden kann, um pro Monat mehr Geld zu bekommen. Außerdem solle es auch die Möglichkeit geben, sich für Teilzeit zu entscheiden. (APA)

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