Ein Publikumsbeschimpfer

28. Februar 2005, 07:25
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Chris Rock: Manche TV-Sender werden bei diesem Präsentator nervös

Wie ihr Daddy denn sein Geld verdiene, wurde kürzlich die kleine Lola gefragt. "Witze", lautete kurz und bündig die Antwort. Chris Rock, der überdies die hohe Kunst beherrscht, diese Witze ultrabeschleunigt auf ein von konvulsivischen Zwerchfellbeben geschütteltes Publikum niederprasseln zu lassen - er wird seinem Töchterlein in der Nacht von Sonntag auf Montag nun gewissermaßen den ultimativen Witz bescheren.

Als Präsentator der diesjährigen Oscar-Gala hat er sich nämlich in den letzten Wochen keine Chance entgehen lassen, diese "Modenshow" mit ihren "idiotischen" Preisen in einer Tour herunterzumachen. "Welcher Schwarze, der nicht schwul ist, schaut sich die Oscars an?!" Wenn Chris Rock diese Gangart auch auf der Bühne des Kodak Theatre in Los Angeles durchhält, dann versprechen sich die Oscar-Produzenten "eine sehr lustige Show". Andererseits: Sender wie ABC wollen eine zeitversetzte Ausstrahlung der Gala dazu nützen, um möglichen verbalen Unflat mit zarten Beep-Geräuschen zu übertünchen.

Chris Rock, 1965 in South Carolina geboren und hernach in Brooklyn aufgewachsen, gilt seit geraumer Zeit als einer der verlässlichsten Lieferanten von politisch total unkorrektem, in jedem Wortsinne schwarzem Humor. Entdeckt wurde der afroamerikanische Komiker im zarten Alter von 18 Jahren von seinem Vorbild Eddie Murphy, als er in einem New Yorker Comedy Club sein Publikum wieder einmal in Rekordtempo beschimpfte und frozzelte.

Es folgte die für US-Comedy-Stars fast schon obligate Abfolge von Karrierehighlights: umjubelte Auftritte in der TV-Show Saturday Night Live, mehrere Emmys und Grammys für CDs mit vielsagenden Titeln wie Bring the Pain, schließlich große Kinorollen, meist - darauf scheinen schwarze Komiker seit Eddie Murphy abonniert - in Actionkomödien (Beverly Hills Cop II, Lethal Weapon IV, Bad Company . . .).

Als Moderator von MTV-Preisgalas erfreute sich Chris Rock schon in den vergangenen Jahren höchster Beliebtheit unter dem Motto: "Ich nehme diesen Firlefanz keinen Moment lang ernst, aber ich verdiene damit mehr Geld als irgendein Weißer dort unten im Publikum!" Andererseits wird er vermutlich der Einzige sein, der sich im Rahmen der Oscar-Nacht über Jamie Foxx, den schwarzen Favoriten für die Auszeichnung als "bester Darsteller" (in Ray) lustig machen darf.

Rock ist übrigens sein wirklicher Familienname: "Meine Mutter heißt Rose Rock. Es war der übelste Name, den man als Kind nur haben kann. Die anderen hänselten mich immer und nannten mich Piece of Rock, Plymouth Rock oder, besonders witzig, Flintstones! Heute ist das aber anders. Heute nennen sie mich MISTER Rock." (DER STANDARD, Printausgabe, 26./27.02.2005)

Von Claus Philipp
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