Flimmerbilder der Teilnahmslosigkeit

25. Februar 2005, 21:26
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Paul Divjaks "sofa surfen" im Kasino

Wien - Dem schriftstellerischen Output des in Wien lebenden Autors Paul Divjak (35) hat man, ausgehend von seiner 2002 in der Edition Selene erschienenen schattenfuge, sogar schon ein David "Lynch'sches Oszillieren" attestiert. Ein sich an den filmischen Rätselwerken des amerikanischen Regisseurs orientierendes Denk-, Bild- und hier eben: Textgeflecht, das sich um nichts in der Welt auf den Grund der Tatsachen absenken, sondern in der Schwebe halten möchte.

Die Uraufführung von - nun - sofa surfen ist sodann auch ein Flimmerabend, der wie ein aus finsterer Ferne entgegengesandter, gezappter Fernsehabend in fragmentarischen Bildern aufblitzt. Ein ganz und gar rahmenloses Aufscheinen zeitgenössischer Befindlichkeitsmotive, das bloß für einmal vor der Zuschauerpiste im Kasino am Schwarzenbergplatz, in die Mondlichthelle einer "Amerikanischen Nacht" getaucht, vorbeizieht.

Die jüngste Abteilung der Burgtheater-Maschinerie, die für einen im professionellen Umfeld tätigen Nachwuchs erfundene Reihe "spieltriebe", feiert hiermit ihre 19. Produktion. Regisseurin Johanna Grilj durfte sich Stimmen von Petra Morzé, Maria Happel und Johannes Krisch leihen, doch für den großen Rest blieben dann nur zwei Wochen Probenzeit.

In dieser knapp bemessenen Zeit haben Stefanie Dvorak, Robert Reinagl, Nick Monu und Nicola Kirsch es perfektioniert, in lustigen Trainingskleidern die mundfälligen Teen-Spirit-Strophen in sofa surfen abzutanzen. Und hätte man Divjaks Text noch mehr der Bedeutungslosigkeit ausgeliefert, als es hier geschah, noch mehr ihn vernuschelt und in Tribünenuntergrundritzen hineingezischelt ("kommt zeit kommt rat. kommt kopfsalat. ich bin ein schwein, kommt haarausfall. und überall hol' ich die ernte ein. und steck den dickkopf rein."), der Abend hätte auf weiten Strecken sich kaum von jenem Kindertanztheater für Elfjährige unterschieden, das Tags zuvor das "szene-bunte-wähne"-Festival im Museumsquartier eröffnete (Sarah's Welt). Theater für Elf-bis 35-Jährige?

Kurzer Flügelschlag

Vielleicht muss eine atemberaubende Idee in zwei Wochen aber reichen, und die hätte Grilj mit dem kleinlautesten Engelsflug gehabt, den eine multiple Persönlichkeit (ihr Name: Zuckerschnecke) am Hängeseil je hingelegt hat. Sehr schön, sehr kurz.

Bleibt die Frage: Quo vadis "spieltriebe"? Textpflege ist der Reihe nahe liegender Auftrag offenbar nicht. (DER STANDARD, Printausgabe, 26./27.02.2005)

Von
Margarete Affenzeller
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