Interessenkonflikte bei Vioxx-Abstimmung

28. Februar 2005, 17:24
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Positives Votum für umstrittenes Medikament laut "NYT" wegen geschäftlicher Beziehungen

New York - Das überraschend positive Votum zu den Rheumamitteln Vioxx, Celebrex und Bextra (COX-2-Inhibitoren) eines Fachgremiums der US-Arzneimittelbehörde FDA von vergangener Woche ist nach einem Bericht der "New York Times" wahrscheinlich durch geschäftliche Beziehungen etlicher Berater mit den Pharmaunternehmen zu Stande gekommen.

Die Experten hatten mit äußerst knapper Mehrheit mit 17 zu 16 Stimmen für eine weiterer Zulassung der Medikamente auf dem US-Markt votiert. Die Zeitung stellte am Freitag, genau eine Woche nach der Abstimmung des Beraterausschusses der US-Gesundheitsbehörde in Bethesda bei Washington fest, dass zehn der 32 Experten in der Vergangenheit Beraterbezüge von den entsprechenden Firmen erhalten hatten.

Neun dieser zehn Ausschlussmitglieder setzten sich demnach für die Wiedereinführung von Vioxx (MSD) und für die Unbedenklichkeit von Celebrex und Bextra (beides von Pfizer) ein. Ohne die durch ihr Geschäftsinteresse gebundenen Experten hätte Vioxx nach Berechnung der "New York Times" 14 Nein-und nur acht Ja-Stimmen bekommen. Im Fall Bextra hätte es entsprechend zwölf Nein- und ebenfalls nur acht Ja-Stimmen bekommen, schreibt die Zeitung.

Das Beratergremium hatte der US-Gesundheitsbehörde (FDA) mit knapper Mehrheit empfohlen, das Rheuma- und Schmerzmittel Vioxx mit strikten Auflagen wieder zuzulassen. Unter denselben Voraussetzungen gab es grünes Licht für den weiteren Vertrieb von Celebrex und anderen Mitteln der Medikamentengruppe der so genannten COX-2-Hemmer. In der Regel folgt die FDA den Berater-Empfehlungen. Der US-Pharmahersteller Merck hatte Vioxx im September freiwillig aus dem Handel gezogen, als Studien zeigten, dass allein in den USA bis zu 140.000 Menschen teils tödliche Herzinfarkte und Schlaganfälle nach der längeren Einnahme des Mittels erlitten haben können. (APA/dpa)

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